Ein Thema, welches ab und zu als Argument gegen Rudern oder generell Cardio-Training aufgeführt wird, ist Langeweile. 🥱 Monotones Training wirkt eigentlich wie ein Anachronismus, oder nicht? ⏳🤨 Doch genau darin mag auch seine Kraft liegen.
Wer Rudern nicht nur als körperliche, sondern auch als mentale Praxis versteht, entdeckt eine unterschätzte Dimension des Trainings: Neuroplastizität durch Wiederholung, emotionale Selbstregulation – und eine Art von mentaler Stärke, die nichts mit Motivation zu tun hat.
Warum Boredom ein Feature ist – und wie gleichförmiges Training Deine mentale Resilienz stärken kann beschreibe ich in diesem Artikel.
Inhalt
- Rudern als mentales Metronom
- Monotonie als Trainingslager für den Geist
- Monotones Training rewired dein dopaminerges System
- Default Mode Network: Die Kraft der inneren Stille
- Boredom als Feature: Warum Langeweile ein Muskel ist
- Mentale Stärke ≠ Motivation
- Was kann man während dem Rudern machen?
- Slow Fitness rewired dein Gehirn
Rudern als mentales Metronom
Beim Indoor-Rowing passiert über Minuten oder Stunden hinweg immer das Gleiche: Catch, Drive, Recovery. Und wieder von Vorne. Rinse & Repeat ♻️

Kein neuer Reiz, kein Algorithmus, keine schnellen Erfolge. Stattdessen ein Takt, der sich einbrennt – ins Nervensystem, ins autonome System, in den präfrontalen Kortex. 🧠 Was von außen banal erscheint, ist innerlich hochwirksam. ✨💪🏼
Warum? Weil durch diese Wiederholung dem Gehirn die Chance gegeben wird, sich zu beruhigen, zu reorganisieren – und umzubauen. Neuroplastizität, auch neuronale Plastizität genannt, bezeichnet die Fähigkeit des Gehirns, sich lebenslang zu verändern und anzupassen.
Wiederholte, rhythmische Bewegungen wie beim Rudern fördern die Konsolidierung neuronaler Muster. Diese Studie zeigt, dass Ausdauertraining wie Rudern den hippocampalen Volumenzuwachs begünstigt und die funktionelle Konnektivität in Hirnarealen stärkt, die mit Aufmerksamkeit, Emotionsregulation und Selbstkontrolle in Verbindung stehen.

Monotonie als Trainingslager für den Geist
Ich laufe gerne im Wald und dabei bevorzugt verschiedene Strecken, um regelmäßig neue Eye-Candy zu erhalten – unterschiedliche Reize, die meinen Kopf beschäftigen. Beim Rudern nutze ich gerne EXR oder die Smartrow App, wobei Letztere eher weniger Abwechslung bietet.
Ich kenne das von mir selber: Monotonie ist unbequem 🥴 – und vermutlich genau deshalb wertvoll. Wenn man ohne Reize weitermacht, ohne dass einen Beats, Screens oder neue Übungen belohnen, geschieht etwas Entscheidendes:
- Man reguliert sein dopaminerges System um.
- Man trainiert Disziplin ohne Stimulation.
- Man entwickelt mentale Klarheit durch Wiederholung.
Dopamin sorgt dafür, dass man eher Arbeit mit dem Kopf auf sich nimmt, weil es einem das Gefühl gibt, dass die Vorteile dieser Arbeit größer sind als der Aufwand.
Stell dir vor, du überlegst, ob du joggen gehen sollst.
Ohne viel Dopamin denkst du vielleicht: „Uff, das ist anstrengend, ich bleib lieber auf der Couch.“

Mit Dopamin fühlst du eher: „Ja, es kostet Mühe, aber danach fühle ich mich fitter, energiegeladener und stolz – das lohnt sich!“
Dopamin hilft also, dass man den Aufwand (Laufen, Muskeln anstrengen) weniger abschreckend findet und den Nutzen (Fitness, Energie, gutes Gefühl) stärker sieht.
Diese Studie hat gezeigt, dass Training bei niedriger Dopamin-Stimulation kognitive Kontrolle und Impulskontrolle fördert. Wer weniger Dopamin „zur Verfügung“ hat, muss stärker selbst regulieren, Entscheidungen abwägen und durchhalten, wodurch diese Fähigkeiten trainiert werden. 🧠💪🏼
Monotones Training rewired dein dopaminerges System

Die meisten Menschen leben in einem dopaminüberladenen Alltag: Newsfeeds, Pushnachrichten, ständiger Wechsel. Ich habe bei mir bspw. rigoros fast alle Pushnachrichten auf dem Smartphone und der Uhr deaktiviert. Warum? Das Problem: Dadurch verlernt das Gehirn, langfristige Belohnung als wertvoll zu empfinden. Monotones Training kehrt diesen Prozess um.
Wenn du regelmäßig ruderst – 20 Minuten, 30 Minuten, 60 Minuten, ohne externe Reize – passiert Folgendes:
- Du entkoppelst Leistung von ständiger Belohnung.
- Du verschiebst deine Aufmerksamkeit von außen nach innen.
- Du schulst deine Fähigkeit, in Zuständen niedriger Stimulation fokussiert zu bleiben.
🧠 Langfristig bedeutet das: Mentale Souveränität. Nicht die Umgebung kontrolliert Deine Aufmerksamkeit – sondern Du selbst.
Weltklasse Produkt für ein professionelle Rudertraining: Das Concept2 RowErg ist auf Effizienz getrimmt und hält ein Leben lang.
![]() | 1.189,99€ inkl. Versand | Bei Amazon kaufen |
Default Mode Network: Die Kraft der inneren Stille
Das sogenannte Default Mode Network (DMN) ist ein Hirnnetzwerk, das aktiv wird, wenn Du nicht extern beschäftigt bist – also z. B. beim Tagträumen, in Meditation oder auch beim monotonen Rudern.
Beim Rudern schaltet das Gehirn in diesen Modus – du reflektierst, verarbeitest, integrierst. Gedanken fließen. Du denkst zu Ende. Nicht weil du dazu gezwungen wirst, sondern weil dir nichts mehr im Weg steht.
Boredom als Feature: Warum Langeweile ein Muskel ist
Langeweile hat in der Fitnesswelt ein schlechtes Image – dabei ist sie neurologisch betrachtet ein Trainingsreiz. Sie ist kein Zeichen von Ineffektivität, sondern ein Zeichen dafür, dass das Belohnungssystem nicht sofort gefüttert wird.
Und genau das macht einen mental stärker:
- Du lernst, Gefühle von Leere auszuhalten.
- Du wirst unabhängiger von Reizen.
- Du entwickelst Klarheit – und Konzentration auf das Wesentliche.
In dieser Masterarbeit wurde gezeigt, dass Langeweile den Wunsch nach Sinn, Ziel und Struktur auslöst – was paradoxerweise zu größerer Klarheit führt.
Mentale Stärke ≠ Motivation
Viele verwechseln Motivation mit Willenskraft. Doch während Motivation schwankt, ist mentale Stärke konstant. Sie zeigt sich genau dann, wenn Motivation nicht da ist – aber man trotzdem weitermacht. Im Grunde genommen ist es ein Superkraft, die trainiert werden kann.
Kennst Du das? Du sitzt auf dem Rudergerät, guckst auf den Bildschirm, betrachtest Deine Pace, Dein Split und Dein Kopf sagt Dir: Laaaaangweilig! 🥱 Oder aber: Du bist mitten im Training und Dein Kopf fragt sich: Warum mache ich das eigentlich gerade? Ein Punkt, an welchem Menschen gerne aufhören. Aufhören ist einfach. Wenn man jedoch diesen Punkt überwindet und weiter macht, passiert etwas Magisches. ✨
Beim Rudern geht es nicht um „Bock haben“, sondern darum den Rhythmus beizubehalten, auch wenn alles in Dir nach Abwechslung schreit. 📢😲
Monotones Training baut diese Fähigkeit systematisch auf – Schritt für Schritt, Schlag für Schlag.
Was kann man während dem Rudern machen?
Nicht für jeden ist Langeweile während dem Rudern etwas – auch wenn es für einzelne Trainings definitiv hilfreich sein kann.
Als ich mit Rudern begonnen habe, lag mein primärer Fokus darauf die Technik zu lernen und diese zu verfeinern. Irgendwann kommt man an den Punkt, dass die Technik sich eingeschliffen hat und 45 Minuten oder 1h Steady State Training können sich dann auch einmal ziehen. In der Regel höre ich während dem Training Musik, bspw. die 20 SPM oder 22 SPM Playlisten bei Spotify, aber manchmal habe ich auch eine Podcast Folge oder eine Youtube Folge laufen, um die Zeit ggf. etwas abwechslungsreicher zu machen. Ich bin ein großer Fan von Podcasts, höre diese in der Regel während dem Autofahren oder im Zug auf Reisen.
Vor ein paar Wochen ist Thomas von Harlerunner auf mich zugekommen und wir haben einen lockeren Austausch gehabt, den wir in einer ersten Pilot Podcast Folge festgehalten haben:
Für mich ist das Sprechen in einem Podcast mehr oder weniger Neuland, ich kann mir jedoch vorstellen häufiger auch in diesem Format Inhalte bereit zu stellen.

Dieser Pilot ist hier erst einmal im Artikel verlinkt und es gibt noch keinen Feed zum Abonnieren, ggf. herunterladen und am Besten einfach mal reinhören 🙂
Hierzu bin ich gespannt auf das Feedback in den Kommentaren. Mehr Folgen in gesprochener Form?
Slow Fitness rewired dein Gehirn
Rudern ist weit mehr als Kalorienverbrauch oder VO₂max. Es ist eine stille Schule der Selbstregulation, ein mentales Reset, ein Werkzeug für mentale Reifung. Seine Monotonie ist nicht langweilig – sie ist befreiend. Sie ersetzt Reizüberflutung durch Fokus. Lärm durch Rhythmus. Kurzzeit-Belohnung durch langfristige Stärke.
Boredom ist kein Fehler. Boredom ist der Muskel, den wir vergessen haben zu trainieren.
In diesem Sinne: Get rowing 😉🤙🏼





7 Antworten auf „Mentale Stärke durch monotones Training – Wie Rudern Dein Gehirn rewired“
Ich weiß ja nicht, ob man das hier so offen schreiben kann, aber ich schaue beim Rudern gerne Pornos an, das lenkt ein wenig von der monotonen Anstrengung ab. Allerdings bin ich mir nach dem Lesen des Artikels nicht ganz sicher, ob das mein Gehirn neu verdrahtet oder eher kontraproduktiv ist.
Noch was ganz anderes: ich mag ja die Artikel in diesem Blog sehr, aber ich finde die Verwendung der ganzen Anglizismen hinderlich beim Lesen. Bei manchen habe ich sogar den Eindruck, die gibt es in der englischen Sprache gar nicht und ich muss erstmal nachschauen, was das bedeuten soll. Geht’s nicht auch ohne oder was ist der tiefere Sinn dahinter?
Lieber Heinz-Georg, Danke für deine offenen Gedanke & Einblicke. Vielleicht lässt sich das Thema in einem Artikel „Rowing & Romance – wie man Herzfrequenzzonen kreativ interpretiert“ noch vertiefen. Was die Anglizismen betrifft: Ich nehme Dein Feedback ernst und prüfe, ob sich Begriffe wie Workout-Song künftig nicht auch mit einem schlichten Körperertüchtigungslied ersetzen lassen. 😉
Beste Grüße
Ulf
Hi Ulf,
ich bin aktuell da wo du im Februar 2022 warst: ich habe mir ein Rudergerät gekauft und probiere nun damit rum und nutze es zum Crosstraining und falls ich mal nicht laufen kann oder will. Dabei sollen das Rudern und das Laufen im Optimalfall eine Symbiose bilden.
Ich bin durch den Harlerunner auf deine Seite gestoßen und werde mich nun allmählich durch all Deine Artikel arbeiten, vielen Dank schonmal dafür.
Jetzt wäre es halt noch schön, wenn es auf deiner Seite einen RSS-Feed geben würde…
Viele Grüße,
Stefan
Hey Stefan,
besten Dank für Deinen Kommentar, freut mich! Bin gespannt auf Deine Erfahrungen mit dem Rudern, habe gerade in Deinen Blog geschaut – spannende Artikel, gleich einmal gebookmarked. 🙂
Einen Feed gibt es hier https://harder-better-faster-stronger.de/feed/ – besten Dank für den Hinweis!
Beste Grüße
Ulf
Ah vielen Dank für den Feed, jetzt verpasse ich bei dir auch nichts mehr 😁
Hallo Ulf
Neben den positiven Effekten, die Du oben beschreibst, kommt hinzu, dass unser Gehirn vor allem Zeit braucht, Ballast loszuwerden. Alle Eindrücke, die täglich auf uns einprasseln und von denen es in der heutigen Zeit stetig mehr (und leider viel zu viele) gibt, müssen aussortiert und die wichtigen eingeordnet und strukturiert werden. Konzentration auf das Wesentliche und Speichern des wirklich Wichtigen ist entscheidend. Man spricht auch gerne vom „neuronalen Darwinismus“.
Genau das passiert, wenn das Gehirn im aktiven Ruhemodus unterwegs ist, den man beim Rudern genauso wie beim Laufen oder beim Tagträumen erreichen kann. Einfach mal „unproduktiv“ die Gedanken schweifen zu lassen, ist irgendwie unmodern geworden. Dabei ist dies nicht nur erholsam, sondern für unser Gehirn essentiell, wenn wir das Wesentliche behalten wollen.
Mehr dazu findet sich bspw. in „Gehirn und Geist“ von Rita Carter.
Beste Grüsse
Johannes
Hallo Johannes,
besten Dank für Deinen Kommentar und Deine Ergänzungen sowie die Buchempfehlung!
Beste Grüße
Ulf