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Amazfit Helio Strap Smart Band Test

Einer der Artikel im Blog, welcher in letzter Zeit sehr häufig gelesen wird, ist mein Test des Whoop Armbandes – erst kürzlich hatte Julian in meiner Sportgruppe gefragt was eher für sein Ziel, regelmäßig zu laufen, hilfreicher wäre: Eine Apple Watch oder Whoop. Die Antwort: It depends 😄🫠

Bei dem Whoop Armband hat man ja den kapitalistischen Grundgedanken im Abo-Modell verewigt: Game Over? – Insert Coin 💸 Ein Punkt, den Menschen mit schmalem Budget außen vor lassen.

„Living on a budget“: Aus meiner Perspektive macht es durchaus Sinn sich selber ein Budget für lebenserhaltende Maßnahmen zu setzen. Wann gehe ich in Rente? Wie lange wird mein Körper noch leistungsfähig sein und eine Wertschöpfung generieren können? Kann das Produkt meine Fitness und mein Wohlbefinden nachhaltig verbessern?

Abo-Modelle machen für mich insbesondere dann einen Sinn, wenn man während der Nutzung einen Mehrwert daraus zieht. Wenn dieser (gefühlte) Mehrwert geringer ist als der Preis, guckt man automatisch nach günstigeren Alternativen. 👀 Zepp hat mit dem Amazfit Armband nun ein Produkt veröffentlicht, welches genau diesen Painpoint adressiert und den Formfaktor eines Always On Fitness Trackers abbildet.

Ich finde den Preis von rund 100€ durchaus interessant – doch hält das Armband auch was es verspricht? Ich habe das Amazfit Helio Strap bei Amazon bestellt und dieses nun in den letzten Wochen im Alltag getestet.

In diesem Artikel teile ich meine Eindrücke: Was funktioniert gut, was weniger – eignet sich das Armband als günstige Alternative zu Whoop?

Eine Sache vorab: Amazfit klingt vom Wortlaut ähnlich wie Amazon, ist jedoch keine Marke von Amazon (welche auch schon mit dem Halo Armband einen Fitnesstracker entwickelt kopiert und wieder eingestampft haben) 😇 sondern wird von dem Unternehmen Zepp Health (vormals Huami Technology) entwickelt.

Meine Erfahrung mit dem Amazfit Helio Armbands

Zum Unboxing: Im Karton liegt das Helio Strap, eine kompakte USB-C-Ladestation (ohne Kabel) und eine kurze Anleitung. Das Design ist schlicht, das Armband aus Kunstfaser mit Klettverschluss wirkt funktional – aber nicht luxuriös.

Die Verbindung mit der Zepp App lief schnell und problemlos. Nach wenigen Minuten war das Band einsatzbereit und synchronisierte die ersten Gesundheitsdaten. Ok, let’s go…

Initial werden 440 MB 🤯 Appdaten benötigt, die Registrierung anschließend läuft wie gewohnt über einen Webservice. Anschließende Updates der App sind jedoch wesentlich kleiner.

Wer diesen Blog schon ein wenig länger liest, weiß dass ich kein großer Fan von zusätzlichen Dingen an meinem Körper bin.

Don’t stop that streak: Sometimes less is more 😉

Keine Ringe, keine Armbänder, keine Uhren. Freiheit heißt für mich auch, möglichst wenig Ballast zu tragen. Gerade bei einem Tracker, den man rund um die Uhr trägt, um (mehr oder weniger) nützliche Daten zu erhalten, ist die Barriere daher nochmal höher. Meine Garmin Uhr trage ich bspw. nur zum Laufen, Wandern oder zum Fahrrad fahren, als Schlaftracker finde ich die Withings Matte ideal. Jedes zusätzliche Accessoire am Körper versuche ich zu vermeiden, auch wenn ich dadurch ggf. nicht 24/7 Daten sammeln kann und meine HRV nicht kenne ☺️

Trotzdem: Im Namen der Wissenschaft habe ich das Amazfit Helio Strap nun über mehrere Wochen getragen. Das Tragegefühl? Anfangs etwas ungewohnt – nicht so smooth wie das Whoop-Band. Ich trage es eher locker, weil ich enge Tracker nicht mag. Das ist aber Geschmacksache – gerade bei optischen Sensoren ist guter Hautkontakt ja wichtig. Whoop verwendet grüne LEDs, ähnlich wie viele andere optische Tracker:

Ich lockere das Armband immer mal wieder, selbst wenn ich es 10 Tage tragen kann, ohne dass es geladen werden muss. Insbesondere wenn das Armband nach dem Schwimmen, Duschen oder der Sauna feucht ist fühlt es sich etwas unangenehm auf der Haut an – man gewöhnt sich mit der Zeit daran, oder legt das Armband zum Trocknen ab. Das war beim Whoop ähnlich, wobei es ja auch unterschiedliche Armbänder aus Silikon, Stoff, Milanaise, etc. gibt.

Whoop Band vs Amazfit Helio Strap

Elephant in the room: Bekomme ich das Gleiche wie bei Whoop aber ohne Abo? Wo liegt der Unterschied zum Whoop Band?

Whoop ist der Premium Anbieter in dem Segment und einer der Pioniere, die den Markt definiert haben – Seit 2013 wird Venture Kapital in das Unternehmen gepumpt, in der Hoffnung, dass das Unternehmen einen möglichst großen Burggraben aufbauen kann und durch den technologischen Fortschritt potentielle Nachahmer abzuhängen. Was man Whoop attestieren muss: Entgegen manch eingestellter Marktteilnehmer (kennt noch jemand Jawbone oder das Nike+ FuelBand?) ist Whoop immer noch am Markt. Mittlerweile gibt es das Whoop Band in der 4. Iteration, da steckt viel Mühe und Entwicklungsarbeit drin. Es gibt sicherlich 2-3 Aspekte, welche aus meiner Perspektive auch wirklich Premium umgesetzt wurden. Und ja: Es gibt 2–3 Aspekte, bei denen Whoop wirklich glänzt und Zepp Potential für Verbesserung ermöglicht.

Das Offensichtlichste ist das Ladekonzept: Whoop setzt auf einen aufsteckbaren Akku – man muss das Armband nie abnehmen, die Datenerfassung läuft unterbrechnungsfrei. Die einfache Lösung für das Amazfit Band von Zepp: Eine USB-C Ladestation ohne zusätzliches Kabel.

Für das Laden muss man also das Armband vom Arm abnehmen, laden und anschließend wieder anziehen. Jeder Armbanduhrenträger wird jetzt vermutlich nicken – das ist ja das übliche Procedere bei Wearables, oder nicht? 🙂‍↕️ Außer eben bei Whoop – die wollen durchgehend Daten, das Gerät wird nicht mehr vom Körper entfernt – ggf. unter der Dusche einmal mit Shampoo gewaschen.

Akku auf dem Armband
Akku auf dem Armband am Whoop Band

Stichwort Qualität: Das Armband von Whoop ist wirklich angenehm zu tragen. Wirklich! Und das, obwohl ich eigentlich ungern etwas an meinem Handgelenk trage. Man spürt, dass man sich bei Whoop mit dem Thema Hautverträglichkeit und Materialien beschäftigt hat – alleine schon der Bajonett-Verschluss ist dabei legendär.

In dem Podcast How I built this erzählt der Gründer Will Ahmed von Whoop über die Entwicklungsarbeit, welche in das Armband geflossen ist und was man bei einem Armband beachten muss, dass es tatsächlich 24/7 getragen wird und nicht doch irgendwann in der Schublade landet:

Dabei sind nicht nur Materialien entscheidend, sondern auch die akkurate Datenerfassung und die passenden Algorithmen. Vermutlich liegt in der Kombination die Magic Sauce 🍵 bei Whoop.

Whoop Armband – funktioniert auch beim Rudern mit dem Rudergerät

Zepp gibt es bereits seit 2012 – allerdings kam nun erst kürzlich das Helio Armband auf den Markt. Die komplette Entwicklungsarbeit wie bei Whoop hat man sich bei Zepp als Fast Follower gespart und schlicht ein Kunstfaserarmband verwendet, welches mit einem Klettverschluss fixiert wird. Keep it simple. 😄😉 Man kann das Armband austauschen, kompatibel mit den Whoop Bändern ist es jedoch nicht – an dem Wearable werden reguläre Armbanduhren Schnellspanner genutzt. Theoretisch ist das Gerät somit auch mit anderen regulären Uhrenarmbändern kompatibel. Amazfit bleibt also pragmatisch: Klettverschluss, Standardarmband – funktioniert, ist aber nicht sehr sexy. 🫦👀

Als ich das Armband zum ersten Mal angezogen habe, meinte meine Tochter dass ich dadurch sportlicher aussehe. 😳 Wait, Whaaaat? So einfach geht das? 🥹 Fake it till you make it?

Natürlich ist so ein Fitnessarmband ebenfalls ein Zeichen nach außen – es zeigt, dass ich mich mit dem Thema Fitness und Achtsamkeit für den eigenen Körper beschäftige. 🧘 Dadurch wirkt man nach außen ggf. ebenfalls sportlicher oder fitter. Jeder, der jetzt instinktiv das Armband in den Warenkorb legt, muss sich zumindest über den eigentlichen Grund für den Kauf keine Gedanken mehr machen 👇🏼😉


Ka-Ching! 🤑🫴 Kommen wir aber zu den eigentlichen Funktionen: What is it good for?

Was kann das neue Amazfit Helios Armband von Zepp?

Als ich das Armband eingerichtet habe und Warnungen für bestimmte Herzfrequenzen definiert habe, wurde mir angezeigt dass es sich nicht um ein medizinisches Produkt handelt. Wololo! 😇

Ich denke, das sollte man im Hinterkopf behalten – gleichwohl zeigt es auch offensichtlich den Weg der Wearables für die kommenden Jahre. Als ich das Hilo Armband für die Messung des Blutdrucks genutzt habe, war mir bewusst dass dies ein Werkzeug für Menschen ist, die mit Ihrem Blutdruck ein Problem haben. Sobald es um ein Human Interface Device geht, welches Daten sammelt und auswertet stellt sich die Frage nach dem Nutzen. Whoop hat sich zu Beginn an Athleten gerichtet, die mehr über Ihre Regeneration erfahren wollten. Mittlerweile tragen sehr viele Menschen Fitnessarmbändern, aus unterschiedlichsten Gründen. Amazfit zeigt die Gründe gleich zu Beginn an:

Wie ist es bei mir? Ich für meinen Teil möchte dadurch meine Schlafqualität optimieren, ggf. bessere Einblicke in meine HRV erhalten und das Armband für mein Training nutzen. Insbesondere für das Volleyball- oder Krafttraining kann es hilfreich sein, bisher habe ich dies nicht getracked. Aber auch am Rudergerät oder beim Laufen könnte es als Herzfrequenz Broadcast funktionieren.

Krafttraining mt dem Helio Armband
Krafttraining mt dem Helio Armband

Stichwort Sportarten: Ich spiele in einer Freizeitmannschaft Volleyball und eigentlich ist dabei ein Wearable hinderlich. Bspw. wenn man baggert, soll kein Armband den Ball potentiell umlenken, aber auch andere Spieler sollen durch Wearables nicht gefährdet werden. Vor einigen Jahren gab es einmal die Swatch Touch Zero One, welche das Abklatschen beim Spiel tracken sollte – ich für meinen Teil habe darin wenig Nutzen gesehen, aber gerade Ballsportarten wie Squash, Basketball oder Volleyball welche einen hohen Cardio-Anteil mit vergleichsweise niedrigen Herzfrequenzen haben, sind prädestiniert für die Nutzung. Wieviele Ballkontakte stattgefunden haben, oder wie lang man in welchen Herzfrequenz-Zonen gespielt hat, wäre interessant. Aber auch schlicht um den Trainingsload festzuhalten und die Regeneration anschließend richtig durchzuführen.

Das Helio Strap liefert folgende Metriken:

  • Kontinuierliche Herzfrequenzmessung (24/7)
  • Ruhepuls & HRV-Tracking (Biocharge)
  • Schlafqualität inkl. REM-/Tiefschlafanalyse, Schlafregelmäßigkeit, Schlafdauer, Herzfrequenz im Schlaf, Atemfrequenz, Schlafapnoe-Risiko, Hauttemperatur
  • Stresslevel & SpO₂-Messung
  • Tagesenergie-Level (basierend auf Schlaf, Aktivität & Stress)
  • Automatische Trainingserkennung
  • Kompatibilität mit Strava, Apple Health, Relive, TrainingPeaks über Terra, Adidas Running und Komoot

Bei all diesen Metriken gilt es im Hinterkopf zu behalten, dass es sich nicht um ein medizinisches Produkt handelt. Wenn man ein Thema mit Schlafapnoe hat, lohnt sich ggf. eher ein Schlaflabor – das Armband kann jedoch ggf. einen ersten Hinweis darauf liefern. SpO₂-Tracking ist zunächst nicht aktiviert, das kann man bei Bedarf hinzuschalten, die Akkulaufzeit wird dadurch jedoch verringert.

Zum Thema Akkulaufzeit & Ladeverhalten: In der Praxis hält der Akku ca. 9 bis 10 Tage, dann ist er innerhalb 1-2h wieder komplett aufgeladen. Das finde ich nicht schlecht – das Armband synchronisiert relativ häufig und bei mir wurden nach kurzer Zeit eine ganze Menge an Trainingsdaten erkannt. Wenn man das Armband an das Ladegerät koppelt, leuchtet es seitlich – sobald es voll geladen ist, wird die LED grün.

Armband wird aufgeladen
Armband wird aufgeladen

Apropos 24/7 Herzfrequenzmessung: Während bei Whoop das Ablegen des Armbands als Kardinalfehler betrachtet wird und man durch die App sofort daran erinnert wird das Armband wieder zu tragen ist diese Funktionalität bei dem Helio Armband (noch 😏) nicht implementiert. Wenn man das Armband längere Zeit nicht trägt, merkt die App lediglich dass sich die Aktivitäten im Vergleich zum vorherigen Zeitraum verringert haben. Oh really? 🤪🙄 Ich sehe hier auch einen Optimierungsbedarf bei Zepp, es wäre ja relativ einfach dies zu erkennen und entsprechend in der App zu implementieren.

Apropos Optimierung: Ich habe innerhalb meines Testzeitraums mehrere Updates für die App erhalten – es wird also aktiv mit den Daten und an der App gearbeitet:

Mir ist eine Sache aufgefallen, die ich sofort als befremdlich empfunden habe, scheinbar ist es ein Übersetzungsfehler, aber an diversen Stellen in der App wird VO2Max genutzt, an denen der Begriff nicht korrekt ist, hier ist ein Beispiel:

Fehlerhafte Übersetzung
Fehlerhafte Übersetzung des Pulsbereichs

Die VO2Max wird in ml O2/min angegeben, in dem Screenshot werden jedoch die Herzfrequenzen angezeigt, welche schlicht in Schlägen pro Minute angegeben werden. Ich finde diesen Fehler deswegen befremdlich und bemerkenswert, da ein Hersteller von Fitnessgeräten eigentlich den Unterschied zwischen der höchsten Herzfrequenz und VO2Max kennen sollte und dadurch Menschen, welche bisher keine Kenntnis darüber haben in die Irre führt. Gleichzeitig wird in der App aber auch korrekt beschrieben, wie man die VO2Max bestimmen kann:

Wenn Zepp Health tatsächlich Athleten mit dem Armband ansprechen möchte, so sollten aus meiner Perspektive solche grundlegenden Dinge einer QA vor einem Rollout auffallen. 🧐 But what do I know? 🤷🏼‍♂️

Trainingserfahrung

Das Armband kann 27 verschiedene Sportmodi unterstützen, von Laufen & Gehen über Radfahren aber auch
Krafttraining, Crosstrainer, Treppensteiger, Stepper, Spinning, Mixed Aerobic, Crosstraining, Aerobic, Gruppen-Calisthenics, Body Combat, Step-Training, Beweglichkeitstraining, Freies Training, HIIT, Yoga, Pilates, Gymnastik, Reck, Barren, Battling Ropes sowie Stretching. Das Aktivieren erfolgt über die Zepp-App →  Training → Übung Auswählen

Amazfit Training

Ich bin ein Freund von unkomplizierter Technik und möchte idealerweise nicht zuvor das Training am Smartphone auswählen, idealerweise sollte dies automatisch erkannt werden.

Wenn man zuvor ein Workout ausgewählt hat, dann erkennt das Armband relativ genau die Abläufe und reichert die Daten mit Meta-Daten wie Weiderholungen oder Pace an.

Ansonsten, wenn man schlicht das Armband trägt, ohne eine Interaktion mit der App vorzunehmen: Wie gut erkennt das Band Bewegungen? Ist die automatische Übungserkennung brauchbar? Für mich ist eine zuverlässige Trainingserkennung das A und O – sicherlich kann ich immer einzelne Trainingseinheiten manuell im Anschluss löschen, aber gerade wenn ich damit Strava befülle möchte ich nicht jede leichtere Anstrengung als erfolgreiches Workout veröffentlichen 😉

Ich bin bei der Trainingserfahrung etwas ernüchtert, da diese bei mir nicht immer funktioniert hat. These aren’t the droids we are looking for! 😣

Bei Apple Health ist das vermutlich noch eher verträglich, da ich die Daten nicht teile – teilweise wurde meine Arbeit am Schreibtisch als Workout empfunden – das ist dann aber doch eher sonderbar. Vielleicht habe ich mich dabei sehr angestrengt? 🤨 Im Garten habe ich an einem Vormittag gearbeitet, dabei wurden 3 einzelne Trainingseinheiten erkannt – aus meiner Perspektive hätte es nur eine Einheit sein müssen. Trainingseinheiten kann man nicht zusammenführen, lediglich umbenennen – dabei kommt ein Dialog, der etwas verwirrend ist.

Trainingseinheit bearbeiten
Trainingseinheit bearbeiten

Ich habe 2-3 mal meine Trainingseinheiten umbenannt, um später noch zu wissen, was ich eigentlich gemacht habe. In diesem Bereich glänzt Whoop und das ist vielleicht auch der Bereich in welchem ich von dem Armband von Zepp Health am Meisten enttäuscht wurde.

Es gibt die Möglichkeit die Trainingserkennung einzustellen: Niedrig, Normal, Hoch. Ich habe dies nach ein paar Tagen auf Niedrig umgestellt, dann auf Hoch und anschließend wieder auf Normal. Zwischendurch gab es immer einmal wieder Updates der App und Firmware, welche genau dieses Thema optimieren sollten. Mittlerweile funktioniert die Trainingserkennung nach 2-3 Firmwareupdates relativ zuverlässig – aber gefühlt noch nicht so gut wie bei Whoop. Wie bereits geschrieben – das ist eben die Magic Sauce. Woran erkennt Zepp ein Training? Hauptsächlich anhand der erhöhten Herzfrequenz, ggf. auch an der Herfrequenzvariabilität und der Hauttemperatur.

Wenn Zepp hier noch eher von meinen bisherigen Trainings lernen würde (insbesondere solchen, die ich umbenannt habe) und dies bei weiteren Trainings automatisch erkennen würde, wäre die Erfahrung mit dem Armband wesentlich besser.

Zepp erstellt aus den gesammelten Trainings-Daten einen PAI Score, welcher dazu genutzt wird den eigenen Trainingsload zu reflektieren und ggf. bei zu wenig Bewegung zu mehr Training zu ermutigen:

Sauna Tracking – Yay or Nay?

Ich hatte hier bereits über Eisbäder geschrieben und selber bin ich ein großer Fan vom Saunieren und dem damit einhergehenden Hitzetraining.

Regeneration beinhaltet das Saunieren und selber sauniere ich relativ regelmäßig. Bei einem Always-On Tracker wie Whoop stellt sich die Frage nicht, ob man es während dem Saunieren abnehmen soll, bei Amazfit steht jedoch in der Anleitung, dass es idealerweise zwischen 0°C und 45°C benutzt wird.

Die Frage dabei: Wie verhält sich die Elektronik und der Akku bei höheren Temperaturen? Manche raten davon ab, einen Lithium Ionen Akku höheren Temperaturen auszusetzen, ich bin einfach das Risiko eingegangen und habe es ausprobiert – bisher hat das Armband diesen Hitzestress ausgehalten. Aber insbesondere bei diesem Thema gilt: YMMV.

Aus meiner Perspektive sollte ein Fitnesstracker auch das Hitzetraining tracken, gerade dann wenn die Herzfrequenz dabei im Auge behalten werden kann – immerhin hat das Helio Armband das Training zuverlässig erkannt. 🥵🙌🏻

Herzfrequenz senden – HF Broadcast

Mit dem Band hat man einen ständigen Mensch-Maschine Kommunikator, der theoretisch die Daten auch in Echtzeit an andere Geräte weitergeben kann. In der Zepp App wird es als Herzfrequenz Push beschrieben und das Zepp Armband wird anschließend in den Apps oder Geräten als Herzfrequenz Sensor angezeigt.

Bei mir hat dies in Kombination mit der Smartrow App (iOS) und der EXR App (Android) nicht geklappt, das Gerät wurde zwar erkannt, aber eine stabile Verbindung konnte damit nicht aufgebaut werden – mit der Strava App (iOS) hat es jedoch problemlos geklappt und ich konnte während meinem Lauftraining damit die Herzfrequenz aufzeichnen. In der Regel verwende ich für das Laufen die Garmin Uhr, aber wenn der Akku einmal leer sein sollte, so ist das Armband ein gutes Backup. Es wirkt ggf. etwas sonderbar an zwei Armen ein Wearable zu tragen, funktioniert aber natürlich auch. Das Helio Armband trackt keine GPS Daten – wer das wünscht, ist mit einer Smartwatch als eierlegende Wollmilchsau besser beraten.

Zepp Aura

Kommen wir zum eigentlichen Geschäft: Zepp versucht natürlich ebenso wie viele andere Anbieter (zuletzt ist Garmin mit Garmin+ auf den Zug aufgesprungen) einen digitalen Mehrwertdienst zu verkaufen. Für das Gerät zahlt man einmalig einen Betrag, ein Abo bedeutet Recurring Revenue – vermutlich der Traum von jedem Berater bei Deloitte, Accenture, PwC, …

Persönlich sehe ich darin bei dem Helio Armband die Hürde noch viel höher als bei dem Abo-Modell von Whoop, aber Zepp versucht es charmant durch Nudging und mögliche Anreize in Form von AI-Einsichten schmackhaft zu machen.

Man wird bspw. belohnt, wenn man seine Schlafroutine einhält oder aber regelmäßig Sport macht, dadurch wird dann der sonst kostenpflichtige Premium-Dienst für eine Zeit lang kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Rabatt freigeschaltet
Rabatt freigeschaltet 🥳🙌🏻

Innerhalb der App gibt es dann die Möglichkeit das Aura Abo abzuschließen und hier schließt sich ggf. der Kreis zu Whoop – allerdings ist dieses Abo nicht verpflichtend, man kann die App auch hervorragend ohne das Aura Abo nutzen.

Dieser Bereich der App gibt immer mal wieder ein Feedback, versucht „anzufüttern“ mit einzelnen Hinweisen über das Körperverhalten, gibt dann keine weiteren Informationen bevor man das Abo abgeschlossen hat.

Es gibt einen Aura AI Chatbot – dieser hat jedoch nur eine begrenzte Anzahl an freien Tokens, die man nutzen kann und sobald man eine Rückfrage stellt, welche mehr Auskunft geben soll, endet das Freemium Modell. 😉 Aus meiner Perspektive kann das Nudging noch wesentlich besser umgesetzt werden, der AI Chatbot ist schrecklich dämlich und die Konversationen fühlen sich für mich an, als hätte das niemand bei Zepp einmal selber getestet.

Where is the intelligence in this AI?
Where is the intelligence in this AI?

Manchmal ist es dadurch doch etwas nervig: Vermutlich ist das Thema noch Work in Progress bei Zepp. Aktuell kann man auf diesen Premium Dienst aus meiner Perspektive noch hervorragend verzichten. Aber auch hier gilt natürlich: YMMV.

Schlaf Tracking mit dem Amazfit Armband

Eine Sache, welche ich sehr praktisch fand, ist das Tracking des Schlafs mit dem Armband. Wenn man viel unterwegs ist, eignet sich das Armband dafür, aber auch um einen Mittagsschlaf zu tracken oder schlicht die Schlafregelmäßigkeit.

Ich habe mit der Regelmäßigkeit so meine Probleme, selbst obwohl ich weiß dass dies eines der einfachsten Rezepte für Longevity ist. Vielleicht liegt hier aber auch einer der USPs des Armbands?

Es hält mich dazu an meinen Schlaf nicht zu vernachlässigen und erinnert mich durch das Tragen am Arm daran lieber früher als später ins Bett zu gehen. Durch wöchentliche Reports erhalte ich eine einfach zu verdauende Analyse und kann daran arbeiten eine gute Schlafroutine einzurichten. Wenn ich eine Auswertung der einzelnen Nacht möchte, so gibt es diese auch noch detailliert:

Die Daten sind ähnlich genau wie von Withings und damit vermutlich einer der günstigsten Schlaftracker, die es derzeit auf dem Markt gibt (abgesehen von den China Oura Ring Klonen, die eher leidlich funktionieren).

Ähnlich wie bei Whoop gibt es ebenfalls die Möglichkeit durch ein einfaches Tagebuch noch zusätzliche Daten zum Schlaf zu erfassen:

HRV-Tracking

Kommen wir zu einem anderen USP des Armbands, welches wirklich ein Verkaufsargument ist, dass ich zu 100% unterschreiben kann: Herzratenvariabilität (HRV) Tracking. Hier einmal eine Auswertung meiner Herzfrequenzvariabilität (HFV) der letzten Tage:

Die Auswertung ist wirklich Spot-On und spiegelt ziemlich genau mein Energielevel wider. Ich nutze die HRV als Warnsystem um mit meinem Körper achtsam umzugehen. Natürlich spürt man das auch, in der App bekommt man es jedoch noch einmal direkt vor die Augen geführt.

Fazit

Ich habe das Armband von Zepp nun mehrere Wochen getestet, dabei nahezu 24/7 getragen, um möglichst viele Daten zu sammeln und einen umfassenden Eindruck zu bekommen.

Im Hinterkopf war bei mir immer das Whoop Armband – das kannte ich bereits und dieses legt die Latte als Fitnessarmband schon recht hoch. Einer der größten Vorteile eines kontinuierlichen Trackings liegt vermutlich darin, dass schlicht mehr Daten erfasst werden, die anschließend ein besseres Gesamtbild ergeben. Mit hat bspw. Apple Health nach ein paar Wochen neue Trends angezeigt, die vorher schlicht aufgrund weniger Daten nicht erkennbar waren:

Ruheherzfrequenz Trend
Ruheherzfrequenz Trend

Das Amazfit Helios Armband ist ein ultraleichtes, displayfreies Fitness‑Band, welches zu einem relativ schmalen Preis bereits viele Daten bietet ohne ein Abo nutzen zu müssen.

Was man dann aus diesen Daten macht, ist natürlich für jeden individuell zu bewerten: Gute Schlafrhytmen, einen holistischeren Blick auf den Trainingsload oder ggf. als Fitness-Tracker in Kombination mit dem Smartphone für bestimmte Trainingsarten. Das Armband kann auch als Motivator dienen, die eigene Fitness zu erfassen und sich durch das Feedback ggf. mehr zu bewegen.


Es ist aus meiner Perspektive (noch) keine direkte Konkurrenz zu Whoop – eher ein preisgünstiger Einstieg in die Welt des passiven Trackings. Wer auf Komfort, Premium-Materialien und tiefgehende Coaching-Funktionen verzichten kann, bekommt hier ein funktionales Tool zum kleinen Preis.

In diesem Sinne: Keep on tracking 😉🤙🏼

Über den Autor
Ulf Mayer

Seit 2022 beschäftige ich mich intensiv mit Indoor-Rudern, Fitness und langfristiger Gesundheit (Longevity). Regelmäßiges Training ist fester Bestandteil meines Alltags. Auf diesem Blog teile ich praxisnahe Erfahrungen mit Rudergeräten, virtuellem Training und Fitness-Technologie. Ziel ist es, Trainingsmethoden, Produkte und Trends sachlich einzuordnen und Lesern dabei zu helfen, fundierte Entscheidungen für einen aktiven und gesunden Lebensstil zu treffen. Erfahre mehr über mich

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