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Waterrower Performance Ergometer vs. Concept2 Modell D RowErg

Vor dem Kauf des Waterrower Performance Ergometer habe ich versucht Informationen zu finden, inwiefern sich das Rudergerät vom Concept2 Modell D RowErg unterscheidet.

Mir ging es dabei nicht primär um die offensichtlichen Unterschiede, sondern um die Leistungsmessung. Welche Daten werden gemessen und wie werden diese berechnet und ausgewertet?

Die Idee dahinter war, dass ich bei eine Leistungsmessung zwar für mich selber Fortschritte erzielen kann, diese jedoch auch mit einem Benchmark vergleichen möchte und dazu die Messung so genau wie möglich sein sollte.

Zum Zeitpunkt meiner Recherche gab es nur spärliche Informationen zu den Daten. Im Laufe meiner Reise mit dem Waterrower und dem Untersuchen von verschiedenen Rudergeräten bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass es nicht wirklich sinnvoll ist die zwei Rudergeräte miteinander zu vergleichen. Zu unterschiedlich sind die Widerstandsarten, die Zielgruppen unterscheiden sich maßgeblich, nicht zuletzt aufgrund des Women Acceptance Factors, aber auch noch aufgrund der Persönlichkeitstypen.

Aber nun, da ich sowohl ein Concept2 Modell D RowErg als auch einen Waterrower Performance Ergometer zur Verfügung habe, komme ich eigentlich nicht drum herum, die Geräte und insbesondere die Daten miteinander zu vergleichen. Goldstandard vs. Challenger?

Ich muss zugeben, dass es mir etwas mulmig im Bauch ist, wenn ich Waterrower Performance Ergometer vs. Concept2 Modell D RowErg schreibe, mein Anspruch ist es so wissenschaftlich wie möglich an die Sache heran zu gehen. Mal gucken, ob mir das gelingt.

Waterrower vs Concept2

Die zwei Firmen Waterrower und Concept2 sind ursprünglich beide von Ruderern gegründet worden. Der Waterrower wurde 1988 von John Duke erfunden, das Concept2 Rudergerät in den Jahren 1981/1982 von den Brüdern Dick und Pete Dreissigacker. Die DNA der beiden Unternehmen ist also tief verwurzelt mit dem Rudern – unabhängig davon haben sich die beiden Unternehmen in unterschiedliche Richtungen entwickelt.

Ich bin ja sehr jungfräulich an den Rudersport herangetreten, ohne große Vorprägung. Wenn man jedoch einmal in Ruder-Communitys nach dem besten Rudergerät fragt, so bekommt man sehr starke Meinungen zu spüren. Das hat mich Anfangs etwas verwundert. Bspw. in der „Indoor rowing community“ mit über 16.000 Mitgliedern wurde sich nach einem Rudergerät erkundigt. Eine meiner Favoriten in den Antworten bringt es recht deutlich auf den Punkt. Btw. in der Waterrower Gruppe ist es nicht viel anders, nur heißt diese Gruppe tatsächlich auch Waterrower Owners, Users and Fans 😉

Die Identifikation mit dem eigenen Rudergerät ist demnach immens hoch, ob das durch die Hochs- und Tiefs passiert welche man mit dem Gerät durchlebt?

Wenn ich hier also über das concept2 RowErg oder den Waterrower Performance schreibe, so kann ich die Leser bereits jetzt in 3 Gruppen einteilen:

  • Diejenigen, die beides noch nicht kennen und daher unvoreingenommen den Artikel lesen. Call yourself lucky!
  • Diejenigen, welche concept2 lieben und mit nichts Anderem Rudern würden
  • Diejenigen, welche den Waterrower lieben und mit nichts Anderem rudern würden

Ich mag beide Rudergeräte. Mit dem Artikel möchte ich etwas Licht ins Dunkel bringen und ggf. die zwei Rudergruppen miteinander vereinen.

Wie werden Daten bei den Rudergeräten gemessen und berechnet?

Für meine Analyse musste ich etwas schwitzen, aber das habe ich gerne gemacht – schließlich ist daraus ein kleiner Erkenntnisgewinn erfolgt.

Zunächst habe ich meine verschiedenen Workouts ohne besondere Korrelation miteinander verglichen, und dabei versucht herauszufinden, ob ich damit bereits ein Gefühl für die Unterschiede in den Daten bekomme. Manchmal geht eine Datenreihe bereits in eine bestimmte Richtung und dann legt man eher den Fokus darauf.

Beispiele hierfür sind eine längere Strecke (Smartrow, Concept2) oder ein Workout mit mehr Kraft (Smartrow, Concept2). Allerdings habe ich dabei festgestellt, dass die einzelnen Workouts zu unterschiedlich sind und die Tagesform tatsächlich im Gefühl trügt. Manchmal fällt ein Workout einfach, manchmal etwas schwerer – das ist einfach so. Ggf. kann man mit dem Gesetz der großen Menge viele Workouts beider Geräte miteinander sinnvoll vergleichen. So viele Datenpunkte habe ich bisher noch nicht, daher musste eine andere Herangehensweise genutzt werden.

Jon Hall hat ebenfalls bereits beide Rudergeräte genutzt, er ist sehr aktiv im Bereich Smartrow und Waterrower, daher habe ich Ihn um Unterstützung gebeten und einige hervorragende Tipps bekommen. Danke Dir, Jon! 🙏

Er hat folgende Testreihen vorgeschlagen:

  1. 1 km Rudern im Nicht-Wettkampftempo, Steady State, an beiden Geräten hintereinander
  2. 10 Minuten Intervall-Rudern (1 Minute schnell, 1 Minute langsam, aber ausdauernd) auf beiden Geräten hintereinander
  3. 2 km PR-Rennversuch an verschiedenen Tagen

Warum diese 3 Testreihen? Dadurch erhält man eine breite Auswahl an Daten mit vielen Anhaltspunkten, welche anschließend miteinander verglichen werden können. Ich verlinke immer die Primärquellen, hier beschreibe ich meine Interpretation der Daten.

Für mich war das dritte Thema mit dem Rennen die größte Herausforderung, gleichzeitig können daraus aus meiner Perspektive viele Erkenntnisse gezogen werden.

Wie erfolgt die Datenerfassung?

Datenerfassung und Datenmessung sind essentielle Bestandteile für das Vergleichen von Datenreihen. Ich möchte daher der Vollständigkeit hier noch einmal kurz drauf eingehen, wie dies erfolgt.

Bei Concept2 wird ein Sensor genutzt, welcher die Umdrehungen des Windrades misst. Hier einmal zwei Screenshots, aus dem hervorragenden Anleitungsvideo von Concept2:

Sensor Concept2
Der Sensor ist unterhalb der Achse – Quelle: Youtube
Windrad Concpet2
Das Windrad des Concept2 Rudergeräte – Quelle: Youtube

Bei dem Waterrower Performance Ergometer kommt eine Umlenkrolle mit einem Dehnungsmessstreifen zum Einsatz:

Waterrower Smartrow Bluetooth

Diese Art der Messung ist sehr genau, ursprünglich kommt diese aus dem Radsport. Dort haben Powermeter die traditionellen Tachometer weitestgehend bzgl. der Leistungsmessung im professionellen Bereich ersetzt.

Die Datenerfassung der beiden Geräte ist damit unterschiedlich, die Widerstandssysteme ebenfalls. Noch ein Hinweis bzgl. Widerstand. Bei beiden Rudergeräten lässt sich dieser verstellen. Viele Ruderer belassen es bei einem konstanten Wert. Ich habe den Tank zwischen 16 und 17 Liter gefüllt, das Concept2 Rudergerät auf den Drag Faktor 120 – 130. Den 2KC2 bin ich mit Drag Faktor 140 gerudert.

In der Smartrow Facebook Gruppe habe ich diese Information zu den Daten der Smartrow erhalten:

Smartrow does use the same algorithms as c2 to calculate speed/distance out of your produced power. However, Smartrow has a much more accurate power measurement because it uses multiple strain gauges and it is a direct measurement. C2 uses an indirect measurement and does uses the flywheel to estimate the power. Therefore the difference between the two is not a fixed percentage, and depending on multiple factors. (Rowing style/speed/flywheel/distance/bungee etc)

Die Frage ist somit, wie die gemessenen Daten aussehen.

Was sagen die Daten?

Die interessante Frage bei der Betrachtung der Auswertungen: Same Watt = Same Pace? Kann man die gleiche Kraft in die gleiche Geschwindigkeit auf beiden Rudergeräten umsetzen? Ich denke, dass dies der Fall ist – doch hierzu einmal die Datenreihen:

1km Steady State

1 km Rudern im Nicht-Wettkampftempo, Steady State, an beiden Geräten hintereinander. Die Roh-Daten sind hier verfügbar (Smartrow, Concept2), hier die Auswertung im Vergleich:

In der Auswertung kann man recht wenig „Ausreißer“ sehen, die Graphen liegt eng beieinander. Auf dem Waterrower habe ich 4:26 benötigt, auf dem Concept2 4:30. Wenige Sekunden auseinander.

Daher die zweite Testreihe:

10 Minuten Intervall

10 Minuten Intervall-Rudern (1 Minute schnell, 1 Minute langsam, aber ausdauernd) auf beiden Geräten hintereinander. Die Roh-Daten sind hier verfügbar (Smartrow, Concept2), hier die Auswertung im Vergleich:

Hier habe ich an einer Stelle auf dem C2 den Intervall zu spät gestartet. Auf dem Concept2 bin ich in 10 Minuten 2.262m gerudert, auf dem Waterrower sind es 2.432m. Das mag daran liegen, dass ich den schnellen Intervall auf dem Concept2 ca. 15 Sekunden zu spät begonnen habe.

Und schlussendlich noch die dritte Auswertung:

2 km PR-Rennversuch an verschiedenen Tagen

Ich hatte vor Kurzem bereits den 2kC2 Maximal-Test auf dem Waterrower gemacht. Es lag also nahe, dieses Setup auf auf dem Concept2 zu wiederholen. Hier die zwei Datenreihen im Vergleich (Smartrow, Concept2), zunächst die Daten des Waterrowers für das 2.000m Rennen:

StreckeWattZeitHerzfrequenzSchlagfrequenzWatt/kg
250 m3655015130,34,11
500 m2635216329,22,96
750 m2665416529,73,00
1.000 m2135516527,72,40
1.250 m2165916628,02,43
1.500 m2175816528,32,44
1.750 m2285616728,32,57
2.000 m2335816827,62,62

Und im direkten Vergleich die Daten des Concept2 Rudergerätes:

StreckeWattZeitHerzfrequenzSchlagfrequenzWatt/kg
250 m45245.9159344,60
500 m36149.5167333,67
750 m25255.8167312,56
1.000 m24156.6167312,45
1.250 m22757.8166302,31
1.500 m21359.0164292,17
1.750 m24856.1165312,52
2.000 m24356.5170312,47

Bzgl. Watt/kg: Mein Gewicht hat leicht zwischen den zwei Rennen variiert. Das erste Mal wog ich 88,8kg, das zweite mal 89,3kg. Die zwei Rennen liegen ca. 1 Monat zeitlich auseinander. Ich gehe nicht davon aus, dass ich innerhalb dieser Zeit meine Leistung stark verbessert habe, zwischen den Rennen habe ich ca. 15 mal gerudert.

Mit dem Waterrower habe ich eine Gesamtzeit von 7:20.8 erzielt, mit dem Concept2 Gerät 7:17.1. Das liegt schon sehr nah beieinander. Ich habe zudem noch die Herzfrequenz, Pace und Kraft übereinander gelegt:

Die Daten sind hier als Spreadsheet verfügbar, ich habe diese ebenfalls auf einer logarithmischen Skala übereinander gelegt aufgrund der verschiedenen Datenpunkte.

Was mich bei dieser Testreihe beeindruckt: Pace und Watt sind weitestgehend deckungsgleich, die Kraft variiert insbesondere zu Beginn der Messung.

Wie fühlt sich das Ganze an?

Bei der ersten Testreihe habe ich zunächst auf dem Waterrower begonnen. Concept2 hat sich im Anschluss etwas leichter angefühlt, obwohl der Drag Factor bei 140 liegt. Ich fand es relativ schwer mich auf die 22 SPM am Concept2 „einzurudern“, habe mich 2-3 mal gefragt ob ich genauso stark ziehe wie beim Waterrower?

Bei der zweiten Testreihe mit den 10 Minuten habe ich zunächst das Concept2 Gerät genutzt und anschließend den Waterrower.

Was mir dabei aufgefallen ist: Mein Gefühl ist, dass der Anschlag am Waterrower wesentlich „weicher“ ist als bei dem Concept2. Schwierig zu beschreiben, bei dem Concept2 fühlt sich der Anschlag präziser an, am Waterrower etwas angenehmer.

Ich habe bei beiden Rudergeräten auf die Kraftkurve geachtet und eine saubere Ausführung des Ruderns, das empfand ich als korrekt, wenn ich es mit meinem bisherigen Rudern vergleiche.

Apropros Gefühle: Der Sitz am Concept2 Rudergerät ist etwas höher, die Fußstellung ebenfalls. Dies lässt mich meine Knochen am Hintern eher spüren, wenn ich am Ende des Zuges den Körper nach vorne einklappe. Das ist am Waterrower nicht so deutlich zu spüren. Der knackige Po wird somit ggf. eher spürbar 😉

Was das sonstige Gefühl der Arme und Beine angeht, so habe ich keinen Unterschied feststellen können.

Welche Unterschiede gibt es ansonsten zwischen den Rudergeräten?

Wenn die Leistungsdaten sehr nah beeinander liegen, so kann man aus meiner Perspektive beide Rudergeräte gleichwertig nennen, zumindest was das Training damit betrifft.

Allerdings gibt es doch 2-3 Unterschiede, hierzu habe ich noch ein Video gemacht, welches die größten Unterschiede im direkten Vergleich beschreibt:

 

In dem Video wird das Thema Geräusch aufgegriffen, hierzu hatte ich schon einmal in diesem Artikel etwas geschrieben.

Einen weiteren Unterschied gibt es in der Nutzung von Apps, hierzu sind die folgenden Artikel hilfreich:

In der Smartrow App gibt es nicht so viele Möglichkeiten ein Workout zu strukturieren wie in der ErgData App, insbesondere das Thema Intervalle mit Pausen. Gleichzeitig bietet die Smartrow App aus meiner Perspektive eine schönere und bessere Auswertung der Kraftkurve, auch im Anschluss an das Training. Das Thema Kraftkurve wird bei Concept2 stark vernachlässigt.

Mit dem PM5 und ErgData kann man eher auf Kalorien trainieren, wobei hier ein Standardwert für die Umrechnung genutzt wird, das ist nicht wirklich für jeden korrekt. Ebenfalls gibt es die Möglichkeiten die Darstellung der Kraft und Herzfrequenz als aufeinanderfolgendes Balkendiagramm zu wählen, das gibt es in der Smartrow App nicht.

Was das Thema Paceboat und Rennen angeht, so haben beide Apps die gleichen Funktionen, lediglich eine andere Darstellung.

Fazit zum Vergleich Waterrower vs Concept2

So! Da ist er, der große Vergleich zwischen Waterrower und Concept2 im Jahr 2022. Da sollten eigentlich jetzt nur noch wenige Fragen noch offen sein 😉 Falls doch – bitte kommentieren!

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Wie bereits zuvor erwähnt, sind beide Rudergeräte aus meiner Perspektive zwei Stücke von perfekter Handwerkskunst mit langer Tradition. Ursprünglich aus der gleichen DNA, dem Rudersport entsprungen – wer bin also ich, der diese Geräte miteinander vergleichen möchte? Ich habe es nun trotzdem einmal versucht.

Die Unternehmen concept2 und Waterrower sind grundverschieden und sprechen auch unterschiedliche Zielgruppen an.

Edles Design gepaart mit Hightech-Messung auf Goldstandard-Niveau: Der Waterrower Performance Ergometer passt in das Wohnzimmer, zeitloses Design in vollendeter Form.

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Egal welches Rudergerät zum Einsatz kommt:

Keep on rowing! 😉 🤙

Von Ulf

Seit 2022 habe ich den Rudersport für mich entdeckt und nutze mit dem Waterrower Performance Ergometer ein Rudergerät mit smarter Konnektivität. Das Rudern ist Teil meines Alltags geworden und hier beschreibe ich meine gesammelte Erfahrung zu virtuellem Training sowie alles rund um den Sport Indoor-Rudern. Mehr über mich

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