Werbung: Der Stehschreibtisch (ohne Tischplatte) und das Laufband wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Es gab keine Bedingungen oder Auflagen.
Der Sommer ist da. 😎✌🏼 Man merkt es daran, dass in den Nachrichten wieder von Rekordhitze und Hitzewellen berichtet wird. Klimawandel ist kein abstraktes Konzept mehr – er ist spürbar, jedes Jahr ein bisschen deutlicher. Für mich gilt: akklimatisieren, funktionieren, anpassen.
Und wenn es um Longevity geht: Always wear sunscreen.
Aber genug Wetterkunde. Ich habe seit ein paar Wochen ein neues Gadget. Und das Gadget ist ein Laufband. Hätte man mich vor ein paar Jahren gefragt – ich hätte wahrscheinlich lächelnd abgewunken. 😄✋🏼 Wer braucht ein Laufband, wenn er laufen kann? Draußen, im Schwarzwald, mit Hügeln und frischer Luft?

Die Antwort lautet: jemand, der nicht mehr zum Laufen geht – sondern beim Arbeiten läuft.
Nach drei Wochen regelmäßiger Nutzung kann man wohl sagen, dass ich langsam den Dreh raus habe. 😉🤙🏼
Inhalt
Homo Oeconomicus und der moderne Kuhstall
Der Homo Oeconomicus, das rationelle Nutzenmaximierer-Modell aus der Wirtschaftstheorie, hat einen blinden Fleck: Komfort.

Der Mensch optimiert nicht nur für den maximalen Nutzen – er optimiert für den maximalen Nutzen mit minimalem Aufwand. Je bequemer das Leben wird, desto weniger bewegen wir uns von Natur aus. Das ist keine Schwäche, das ist Biologie. 🤷🏼♂️
Ich habe neulich irgendwo über moderne Kuhställe eine Doku gesehen und war beeindruckt. Die Kuh geht eigenständig in den Melkstand, wenn sie denkt, dass es Zeit ist. Massage, passendes Futter, Analyse der Milch, Reinigung des Euters – alles vollautomatisiert, auf die individuelle Kuh zugeschnitten. Das ist konsequent durchoptimiert. Die Kuh tut, was sie von Natur aus tut; das System holt das Beste daraus heraus, ohne Zwang.
Jetzt überträgt man das Bild auf den Menschen: Wie weit sind wir bereits in unserem durchautomatisierten Alltag? 🙈 Wie viel Bewegung haben wir weggefiltert, weil es bequemere Alternativen gibt? Aufzug statt Treppe. Auto statt Fahrrad. Delivery statt Einkaufen. Und welche „Melkstation“ bist du eigentlich – wer zieht Nutzen aus deinen Daten, deiner Aufmerksamkeit, deiner Zeit?
Die KI, die du mit deinen Daten fütterst, vielleicht. 🤔
Ich will das nicht als Kapitalismuskritik verkleiden – aber als Selbstbefragung finde ich es nützlich: Wo habe ich Bewegung aus meinem Alltag herausoptimiert, die früher einfach da war?
Vitamine und Schmerzmittel
Wer schon mal ein Unternehmen gegründet hat oder in der Startup-Welt unterwegs war, kennt das Konzept: Vitamins vs. Painkillers.
Vitamine sind gut für dich. Du weißt das. Du nimmst sie trotzdem nicht immer, weil du sie nicht dringend brauchst. In schlechten Zeiten – wenn das Budget knapp wird, wenn die Zeit fehlt – fallen Vitamine als erstes weg.
Schmerzmittel hingegen sind nicht verhandelbar. Wenn der Kopf hämmert, greifst du zur Tablette. Das Painkiller-Produkt löst ein akutes, dringendes Problem. Es wird nicht weggespart.
Ich wende diesen Filter gern auf mein Training an. Rudern ist für mich ein Vitamin. Ich weiß, dass es gut für mich ist. Ich habe es internalisiert. Und trotzdem – gerade in heißen Sommerphasen, mit vollen Tagen und Kindern, die ihre eigene Agenda haben – fällt es manchmal schwer. Das Vitamin wird verschoben.
Aktuell habe ich eine Regel für mich aufgestellt: Einmal pro Woche rudern, komme, was wolle. Den Aufwand so gering wie möglich halten, aber die Streak Woche für Woche erhalten. Wenn ich das schaffe, sind es zumindest ein paar Einheiten mehr als gar keine. Und die tun mir gut – das weiß ich, das fühle ich. Die Frage war nur: Wie komme ich auf mehr Bewegung insgesamt, ohne dass es sich wie ein weiteres Vitamin anfühlt, das ich irgendwann vernachlässige?
Das Laufband als Schmerzmittel für Sitzende
Kürzlich wurde ich gefragt, ob ich abgenommen hätte. Déjà-vu. ☺️ Ein Blick in die Withings-App zeigt eher eine Seitwärtsbewegung – das Gewicht schwankt, ohne klare Richtung:

Das ist für mich erst einmal ein gutes Zeichen. Ich befinde mich in der Waage. Mein Gewicht wird maßgeblich durch Input und Output reguliert. Allerdings möchte ich gerne Muskeln aufbauen, um im Alter noch fit genug zu sein. Wenn ich weniger rudere und ungefähr gleich esse, muss ich an einer anderen Schraube drehen – oder akzeptieren, dass der Output sinkt. 😬🫠
Die Frage, die mich beschäftigt hat: Wie integriere ich Bewegung in den Alltag, ohne dass ich dafür zusätzliche Zeit finde, die ich nicht habe?
Die Antwort: indem ich die Bewegung in die Zeit integriere, die ich sowieso schon verbringe. Vor dem Bildschirm.
Das Konzept ist denkbar einfach: Das Laufband wird unter den Stehschreibtisch gestellt. Man geht – in sehr gemächlichem Tempo, bei mir in der Regel 1,5 – 2 km/h – während man arbeitet. Nicht laufen, nicht joggen. Gehen. Langsam, kontinuierlich, ohne Schweißausbruch.
Was bringt das wirklich? Zahlen und Erfahrung
Ich bin skeptisch bei Produkten, die sich als Game Changer verkaufen. Deshalb habe ich mir angeschaut, was die Wissenschaft dazu sagt.
Das Stichwort hier ist NEAT – Non-Exercise Activity Thermogenesis. Also der Kalorienverbrauch, der nicht aus dediziertem Sport stammt, sondern aus Alltagsbewegung: Treppensteigen, Einkaufen, Stehen, Gehen. NEAT kann je nach Person und Lebensstil zwischen 200 und über 1.000 Kalorien täglich ausmachen – eine enorme Spanne.
Wer viel sitzt, hat einen entsprechend niedrigen NEAT. Wer den gleichen Kalorienbedarf berechnet wie jemand mit einem aktiveren Alltag, unterschätzt seinen eigenen Verbrauch systematisch.
Das Laufband am Schreibtisch ist kein Ersatz für Sport. Es ist eine Methode, den NEAT-Wert nach oben zu verschieben – ohne zusätzliche Zeit zu investieren. Bei 1 Stunden täglich auf dem Laufband (1,5 km/h) verbrennt man grob 100–200 Kalorien extra. Klingt nicht spektakulär – summiert sich aber jede Woche. Über Monate ist das relevant.
Aus der Praxis nach drei Wochen:
- Die ersten Tage war die Koordination gewöhnungsbedürftig. Tippen während des Gehens fühlt sich zunächst merkwürdig an – das legt sich nach ein, zwei Tagen. Mittlerweile geht das problemlos – alles eine Frage der Übung. Ich kann während dem Laufen auch den Pullover oder das Shirt ausziehen, den Rolladen runter machen oder den Schreibtisch rauf- und runter fahren.
- Bei Videokonferenzen halte ich an. Die Kamera zeigt dann auch keine schwankende Schulter.
- Für konzentriertes Schreiben (wie gerade jetzt) funktioniert es gut. Ich merke, dass ich beim Gehen tatsächlich klarer denke – möglicherweise, weil die leichte Bewegung den Kreislauf ankurbelt? 🤔
- Ich habe zu Beginn mit 1km/h angefangen. Mittlerweile habe ich es etwas angezogen. Das Tempo lasse ich bewusst niedrig: 1,5–2 km/h. Es geht nicht ums Fitness-Statement, sondern ums Dranbleiben. ✊🏻
Das Laufband als Vitamin, das sich nach Schmerzmittel anfühlt
Was mich an diesem Setup überrascht hat: Es fühlt sich nicht nach Selbstdisziplin an.
Das ist der Unterschied zu einer Einheit auf dem Rudergerät, für die ich Motivation brauche und Zeitplanung. Das Laufband läuft einfach – im Wortsinn. 😉 Ich setze es an, stelle das Tempo ein, und vergesse es dann. Die Bewegung passiert im Hintergrund. Habit Stacking mit meiner Arbeitsroutine.
Genau das ist das Geheimnis. Es ist ein Vitamin, das sich so in den Alltag integriert, dass es nicht mehr wie ein Vitamin wirkt. Keine Entscheidungsenergie nötig. Keine Überwindung. Keine Ausrede.
Für jemanden, der viele Stunden vor dem Bildschirm verbringt und gleichzeitig den Output stabil halten möchte – ist das eine der praktischsten Lösungen, die ich bisher ausprobiert habe.
Fazit: Bewegung by default
Das Laufband am Stehschreibtisch ist kein Ersatz für Training. Es ist auch keine Wunderwaffe. Aber es ist ein elegantes Werkzeug für ein echtes Problem: Wie bewegt man sich mehr, wenn der Alltag keinen Platz dafür lässt?
Die Antwort lautet: Man schmuggelt die Bewegung in den Alltag hinein, bevor der Alltag Nein sagen kann.
Ich laufe weiter – im Stehen, am Schreibtisch, bei etwa 1.7 km/h, mit offenem Dokument und gelegentlichem Blick auf die Auswertung. 😄
In diesem Sinne: Stay moving – auf welche Art auch immer. 🤙🏼




7 Antworten auf „Laufen am Stehschreibtisch“
Der Link zum Flexisport Laufband funktioniert nicht.
Besten Dank für den Hinweis! Es ist dieses Flexispot Laufband: https://get.harder-better-faster-stronger.de/flexispot-laufband – ggf. vom Adblocker blockiert? 😬 Es handelt sich um einen Affiliate Link 🙏🏻
Zum Laufband in Kombination mit dem Stehschreibtisch werde ich auch noch einen Artikel schreiben.
Beste Grüße
Ulf
Der Link geht nach
https://t.adcell.com/p/click?promoId=250925&slotId=104637¶m0=https%3A%2F%2Fwww.flexispot.de%2Fschreibtisch-laufband-gp01b.html
und da kommt „Server nicht gefunden“. Ich habe dann einfach nach Flexispot Laufband gesucht und bein bei Amazon fündig geworden. Scheinbar gibt es das in der Basis-Variante aktuell für 109€, das klingt preislich schon interessant. Allerdings habe ich keinen höhenverstellbaren Schreibtisch …
Schöne Grüße und Danke für Deine Artikel!
Heinz-Georg
Moin,
ich habe auch so ein Büro-Laufband. Allerdings benutze ich es nicht im Home Office, sondern habe es im Fernsehzimmer stehen. Hat für mich den Vorteil, dass man wie beim Rudern nebenbei was anschauen kann und ich dann auch mit 4,5 oder 5km/h laufen kann – geht im HO eher weniger. Das Laufband kommt immer dann zum Einsatz, wenn ich mein tägliches Ziel von der Polar V3 noch nicht erreicht habe.
Anregung für ein Thema auf deinem Blog: Ich bin über die Studien von Dr. Nehls zur Supplementierung gestolpert und nehme seit ca. 2 Monaten 10mg Lithium aus Orotat und werde nach der dreimonatigen Initialphase auf 5mg reduzieren. Das hat mental und geistig einen echten Booster gebracht – kurz gesagt ich schlafe besser und bin geistig deutlich fokussierter und leistungsfähiger. Lithium soll u.a. auch vor Alzheimer schützen bzw. Demenz verhindern. Ist wie Allulose in der EU verboten (ein Schelm wer Böses denkt), kann aber problemlos bei iHerb bestellt werden. Ich hatte ja mal vor ein paar Monaten etwas zu meiner Morgenroutine geschrieben, was jetzt durch Lithium komplettiert wurde.
Hallo Manfred!
besten Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und den Einblick in deine Routine!
Das mit dem Laufband im Fernsehzimmer ist wirklich eine klasse Idee! 4,5 bis 5 km/h sind im Homeoffice am Schreibtisch tatsächlich kaum machbar, wenn man noch tippen oder konzentriert arbeiten muss. Aber beim Entspannen neben einer Serie oder Doku verfliegen die Schritte wahrscheinlich wie im Flug.
Was das Thema Lithium angeht: Das ist wissenschaftlich auf jeden Fall ein extrem spannendes Feld! Allerdings bin ich bei solchen Nahrungsergänzungsmitteln von Natur aus sehr vorsichtig.
Ich würde davon abraten, Stoffe wie Lithium einfach auf eigene Faust zu supplementieren, ohne vorher und regelmäßig die passenden Blutwerte (wie Schilddrüsen- und Nierenwerte) ärztlich überprüfen zu lassen. Da Lithium eine sehr schmale Spanne zwischen wirksamer und toxischer Dosis hat, ist das ohne Kontrolle nicht ganz ohne Risiko.
Ich persönlich setze da lieber auf natürliche Wege: Da ich gerne mineralstoffreiches Wasser trinke, decke ich meinen Bedarf lieber über heil- und mineralstoffreiche Wässer ab.
Trotzdem danke Dir für die Anregung und das Teilen deiner Routine!
Beste Grüße
Ulf
Hi, erstmal DANKE für deine Mühe, all deine Erfahrungen zu vertexten!
Hast du eine Möglichkeit, ein Device im Kopf, was man nutzen kann, um die Schritte zu zählen? Wenn man am Schreibtisch arbeitet, werden diese ja mit meiner Garmin nicht getrackt, da die Hände ja auf der Tastatur liegen.
Lieben Dank und weiter so 🙂
Viele Grüße,
Robert
Hallo Robert,
vielen Dank für dein Feedback! Freut mich sehr, dass dir meine Artikel helfen. 😊
Das Problem kenne ich. Gerade am Schreibtisch unterschätzt man schnell, wie wenig man sich eigentlich bewegt. Ein Device auf dem Laufband zum Schritte zählen ist mir nicht bekannt, das ich dir guten Gewissens empfehlen könnte. Welches Laufband nutzt Du am Schreibtisch?
Wenn es Dir vor allem darum geht, die Bewegung im Alltag möglichst vollständig zu erfassen, wäre ein Sensor am Fuß oder Schuh eine Alternative.
Beste Grüße
Ulf