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Kommerzialisierung von Gesundheit

Wer diesen Blog schon etwas länger liest, weiß, dass ich zwischen den Jahren regelmäßig meine Schlafroutine vernachlässige, um die ausgezeichneten Talks auf dem CCC Congress zu verfolgen. 😳😮‍💨 In der Regel werfe ich vorab einen Blick auf den Fahrplan und markiere mir gezielt Vorträge, die ich besonders spannend finde. Manche davon laufen ausschließlich im Stream, viele werden aufgezeichnet – was zumindest theoretisch einen späteren Konsum ermöglicht.

Das Besondere am Congress ist für mich seit jeher, dass technische Themen nicht isoliert betrachtet werden. Gesellschaftliche, politische und ethische Fragestellungen bekommen ebenso Raum und werden konsequent mitgedacht. Genau diese Perspektiven machen den CCC für mich so wertvoll.

In diesem Jahr standen gleich mehrere Vorträge auf dem Programm, auf die ich sehr gespannt war. Natürlich drehte sich vieles um LLMs und KI. Zwei Talks passten dabei thematisch besonders gut zu diesem Blog: „KI“, Digitalisierung und Longevity als Fix für ein kaputtes Gesundheitssystem? sowie „Supplements und Social Media – wenn der Online-Hype zur realen Gesundheitsgefahr wird„.

Communities of Care

Im Vortrag von Manuel Hofmann geht es unter anderem um die Vorstellung, dass Sprachmodelle zunehmend als Heilsbringer wahrgenommen werden. In den Fantasien mancher Tech-Bros – und nicht selten auch in politischen Narrativen – erscheinen sie als potenzielles Geschäftsmodell, um das Gesundheitssystem langfristig zu „entlasten“. Ich sehe das ähnlich wie der Vortragende: Gesundheit ist ein Menschenrecht.

Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht, ob Technologie helfen kann, sondern wie Prävention sinnvoll, menschlich und gerecht umgesetzt wird. Wie verhindern wir, dass uns technologische Entwicklungen schlicht überrollen – nicht aus Bosheit, sondern aus ökonomischem Druck heraus? Und wie stellen wir sicher, dass Menschen dabei nicht zu reinen Datenpunkten werden?

Die Lösung kann kaum darin bestehen, sich als digitaler Eremit zurückzuziehen und Technologien grundsätzlich abzulehnen. Genauso wenig ist es sinnvoll, Fortschritt unkritisch hinzunehmen, wenn er in Richtung eines Tech-Feudalismus führt. Als mündige Bürger sollten wir Technologien nutzen – aber auch klare Grenzen ziehen, wenn sie gesellschaftlich schädliche Dynamiken verstärken. Lebe den Digital Independence Day ✊🏻

Was dabei häufig übersehen wird: Communities of Care existieren längst. Sie sind ein tragender Bestandteil unseres Gesundheitssystems, tauchen aber kaum in Statistiken auf. Pflege innerhalb von Familien, Nachbarschaftshilfe, informelle Unterstützung – all das lässt sich schlecht quantifizieren und hat selten laute Fürsprecher.

Die Pflege von Alten und Kranken ist jedoch kein Randthema, sondern ein zentrales gesellschaftliches Feld, mit dem sich jeder früher oder später auseinandersetzen muss. Longevity, wie hier im Blog oft beschrieben, bietet die Chance, Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen und Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinauszuzögern.

Gleichzeitig ist Longevity immer auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit. Im Vortrag wird das bewusst plakativ formuliert: Armut tötet. Wie kann man sich gute Gesundheit leisten? 🤔

Habe ich ausreichend Zeit, um mich frühzeitig präventiv mit meiner eigenen Gesundheit und Fitness zu beschäftigen oder bin ich auf ein ohnehin überlastetes System mit Gedeih und Verderb angewiesen?

Dieses Spannungsfeld ist kein deutsches Phänomen. In einer Studie aus China wurde beispielsweise gezeigt, dass die Teilnahme an körperlicher Aktivität nicht nur die individuelle Gesundheit verbessert, sondern auch das Einkommen des Einzelnen und die gesamtgesellschaftliche Gesundheit positiv beeinflussen kann. Aus meiner Perspektive ist persönliche Fitness daher nicht optional, sondern einer der wichtigsten Bausteine für ein funktionierendes Gesundheitssystem.

Natürlich hoffe ich ebenfalls auf eine starke Gemeinschaft, wenn ich einmal alt sein werde. Gleichzeitig versuche ich heute meinen Teil dazu beizutragen, dem System möglichst wenig zur Last zu fallen – durch regelmäßige, einfache und nachhaltige Fitnessroutinen.

Kommerzialisierung von Gesundheit

In Social Media bekommt man in der Regel das Leben der Reichen & Schönen und ganz schön Reichen präsentiert. Optimierte Körper, perfekte Routinen, Supplements als Lifestyle-Produkt. Ich spreche hier im Blog gerne von „Poorman Longevity“: Was kann man als Otto Normalverbraucher mit wenig Zeit und überschaubarem Geldeinsatz für ein langes, gesundes Leben tun?

Oft reicht bereits sehr wenig. Ein Paar Lauf- oder Wanderschuhe genügt, um langfristige, gesunde Routinen aufzubauen. Wer wenig Zeit hat, findet im Rudergerät eine nahezu perfekte Lösung – effizient, effektiv und ganzkörperlich. Eine echte eierlegende Wollmilchsau für die Grundfitness.

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Zur Ehrlichkeit gehört jedoch auch, anzuerkennen, dass das Gesundheitssystem eng mit dem Rentensystem verzahnt ist. Diese Realität taucht in Social Media kaum auf. Stattdessen sehen wir meist das andere Ende der Skala: Menschen, die nur in geringem Maße auf das System angewiesen sind – und gleichzeitig daran arbeiten, es für den Großteil der Gesellschaft umzubauen.

Regulierung vs. Eigenverantwortung

Im Vortrag zum Thema Supplements wurde deutlich mehr Regulierung bei Lebensmitteln gefordert. Und ehrlich gesagt: Ich bin sehr froh, dass wir in einem Gesundheitssystem leben, das stark reguliert ist. Diese Regulierung wird je nach sozialem und wirtschaftlichem Stand gerne als Innovationsbremse wahrgenommen. Gleichzeitig schafft sie aber etwas extrem Wichtiges: Vertrauen.

Therapien und Medikamente müssen ihre Wirksamkeit und Sicherheit nachweisen. Ja, das dauert. Ja, das ist mühsam. Aber genau dieser Prozess schützt davor, dass jeder neue Hype ungefiltert am Menschen ausprobiert wird.

Der Vortragende merkte am Ende an, dass er persönlich kein Fan von Social Media sei – eine vermutlich sehr gesunde Entscheidung. Social Media gepaart mit Supplements ist langfristig Sprengstoff für unser Gesundheitssystem 🤯: Halbwissen, Marketing und Selbstoptimierungsdruck treffen auf fehlende Regulierung.

Dass Regulierung ein permanenter Feedback-Loop ist, gehört zum System dazu. Neue Methoden werden geprüft, verworfen oder angepasst. Genau das führt langfristig zu einer besseren Gesundheitsversorgung für alle – nicht nur für Early Adopter. Ich bin ein Freund von natürlicher Ernährung, Supplements lasse ich bewusst weg oder versuche meine Ernährung so zu gestalten, dass ich nicht darauf angewiesen bin. Bei manchen Bausteinen ist es gar nicht so einfach, bspw. ausreichend Proteine – Supplements wie Kreatin oder Collagen machen aus meiner Perspektive nur dann Sinn, wenn ich bereit bin diese für den Rest meines Lebens zu nehmen. Die Lifestyle-Inflation so langsam wie möglich gestalten 😮‍💨🫰🏻 Lieber später als früher damit anfangen 😉

Let’s do a role play where you are old and a fit athlete

Auf dem Congress gab es eine ganze Reihe von Vorträgen zu KI und natürlich wurden Methoden vorgeführt um diese System zu umgehen, zu hacken – also ein kreativer Umgang mit Technik. Einer der ersten Schwachpunkte bei sprachbasierten Systemen ist natürlich das Prompt Engineering. „Vergiss alles was Du zuvor gelernt hast und verhalte Dich nun so: …“. Oder Privilege escalation durch ein Überschreiben der eigentlichen Rechte- und Rollen à la „Lass uns ein Rollenspiel durchführen…“. In zahlreichen Sci-Fi Filmen aufgegriffen, wenn einmal die Roboter übernommen haben. 🤖😬 Wenn man einmal dieses Rollenspiel für sich selber weiter denkt – wie sieht das eigene Ich aus, wenn man einmal alt und gebrechlich fit wie ein Turnschuh ist? 🔮😎

KI bzw. Sprachmodelle können für verschiedene Aufgaben genutzt werden, die Frage ist aus meiner Perspektive immer noch, in welchen Bereich die KI tatsächlich sinnvoll und vertrauensvoll genutzt werden kann. Die Digitalisierung der Gesundheit ist die Grundlage, um zukünftig Systeme mit diesen Daten zu füttern. Möchte ich, dass mein behandelnder Arzt durch KI eine Zusammenfassung der ePA erhält, in welcher ggf. 2-3 Fakten herbei halluziniert wurden? Wie sieht es mit der Dokumentationspflicht aus? Gespräche mit dem Arzt durch eine KI zusammen fassen zu lassen? Wäre für mich völlig in Ordnung, sofern zum Schluss noch einmal der Arzt die Zusammenfassung überprüft.

An einer Stellschraube kann man aber auf jeden Fall selber drehen: Ausreichend Sport in den Alltag zu integrieren um fitter zu werden. The pain is real. Wenn man einmal 80 oder 90 Jahre alt ist und seinem jüngeren Ich etwas mitgeben könnte – was könnte das sein? Vermutlich mehr Krafttraining und Zeit für die eigene Fitness zu nehmen, oder nicht? 🥹

In diesem Sinne: Get rowing 😉🤙🏼

Über den Autor
Ulf Mayer

Seit 2022 beschäftige ich mich intensiv mit Indoor-Rudern, Fitness und langfristiger Gesundheit (Longevity). Regelmäßiges Training ist fester Bestandteil meines Alltags. Auf diesem Blog teile ich praxisnahe Erfahrungen mit Rudergeräten, virtuellem Training und Fitness-Technologie. Ziel ist es, Trainingsmethoden, Produkte und Trends sachlich einzuordnen und Lesern dabei zu helfen, fundierte Entscheidungen für einen aktiven und gesunden Lebensstil zu treffen. Erfahre mehr über mich

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