Momentan fühlt sich mein Alltag sehr voll an. Ein Grund, wieso ich hier weniger schreibe – schlicht, weil die Zeit fehlt. Familie, Job und Hobbys unter einen Hut zu bekommen, ist ein Drahtseilakt. Wieviel Zeit möchte und kann man in Sport und die eigene Fitness investieren? Und wie schafft man es, Bewegung sinnvoll in einen ohnehin dichten Alltag zu integrieren?
Für mich kommt noch eine weitere Ebene hinzu: die mentale. Das Arbeiten mit KI – gerade im Programmierkontext – fühlt sich wie ein Beschleuniger an. Plötzlich lassen sich komplexe Zusammenhänge schneller erfassen, Modelle schneller bauen, Ideen schneller testen. Was früher Tage oder Wochen gedauert hat, passiert jetzt in Stunden. 🚀 Klingt nach Fortschritt – ist es auch. Aber es bringt eine neue Frage mit sich: Kommt der Kopf da überhaupt hinterher?
Mentale Modelle sind essenziell. Sie sind die Grundlage dafür, wie man Systeme versteht, Entscheidungen trifft und Komplexität reduziert. Wenn diese Modelle jedoch zu schnell entstehen, ohne dass sie sich „setzen“ können, entsteht eine Art kognitive Überforderung. Man weiß zwar viel – aber hat es nicht wirklich integriert, oder? 🤔 Genau hier liegt für mich eine der unterschätzten Herausforderungen der KI-getriebenen Arbeitswelt: Nicht der Mangel an Information, sondern die Verarbeitungsgeschwindigkeit unseres eigenen Denkens.
Ich glaube, dass hier ein riesiges Spannungsfeld entsteht. Auf der einen Seite unglaubliches Potenzial – auf der anderen Seite das Risiko von mentaler Erschöpfung, Entscheidungsstress und einem diffusen Gefühl von „zu viel“. Vielleicht ist genau das ein neues Feld innerhalb von Longevity: Wie gehen wir mit kognitiver Beschleunigung um?
Die Antwort darauf ist für mich aktuell ziemlich klar – auch wenn sie kontraintuitiv wirkt: radikale Priorisierung.
Kognitive Schuld?
Durch die KI kann man schneller entwickeln und auch Projekte durchführen, in denen man zuvor keine oder nur wenig Erfahrung hatte – für mich ist das faszinierend, gleichzeitig birgt dies jedoch auch das Risiko nicht mehr richtig zu lernen.
Die Frage bei der Entwicklung und dem Lernen ist eine Gesellschaftliche. Natürlich kann durch das Auslagern das persönliche Logik Budget erhöht werden – gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage der Nachhaltigkeit. Wenn ich etwas selber nicht gemacht habe, verfestigt sich die Aufgabe nicht im Gehirn. Ähnlich wie bei der Routenplanung mit dem Auto gibt es dann kein besseres mentales Modell sondern man führt nur noch aus. Was in dystopischen Filmfantasien schon häufig durchgespielt wurde, wird langsam Realität: Ab wann übernehmen die Maschinen? 🥹
Weniger ist mehr.
Ich versuche nicht mehr, noch mehr in meinen Tag zu pressen. Stattdessen stelle ich mir die Frage: Was kann ich weglassen? Was muss heute wirklich passieren – und was nicht? Diese Perspektive verändert viel. Sie nimmt Druck raus. Sie schafft Raum.
Auch im Sport merke ich das. Früher dachte ich oft: Wenn ich trainiere, dann richtig – lang, intensiv, strukturiert. Heute sehe ich das anders. 20 Minuten auf dem Rudergerät können völlig ausreichen. Eine kurze, saubere Einheit schlägt oft die perfekte, die nie stattfindet. 🫠 Bewegung wird nicht mehr als zusätzlicher Stressor gesehen, sondern als Ventil. Als Möglichkeit, den Kopf zu sortieren.
Gerade monotone, rhythmische Bewegungen – wie beim Rudern – haben für mich eine fast meditative Qualität. Der Fokus auf den Schlag, die Atmung, den eigenen Körper. Kein Multitasking, kein Kontextwechsel. Nur Bewegung. Das hilft, mentale Last abzubauen, statt sie weiter zu erhöhen.
Ein weiterer Punkt, der mir hilft: klare Grenzen. Nicht ständig erreichbar sein. Nicht jede Idee sofort verfolgen. Nicht jede Möglichkeit nutzen müssen. In einer Welt voller Optionen wird Verzicht zur Stärke.
Zeit ist dabei die entscheidende Währung. Und sie ist endlich.
Wir leben in einer Kultur, die Wachstum glorifiziert. Mehr Output, mehr Fortschritt, mehr Geschwindigkeit. Der berühmte „Hockeystick“ als Ideal. Doch ich stelle mir immer öfter die Frage: Ist das wirklich nachhaltig – für uns als Individuen und als Gesellschaft?
Der Gedanke von De-Growth fühlt sich für mich zunehmend stimmig an. Nicht Stillstand, sondern bewusst reduziertes Wachstum. Ein Tempo, das man verarbeiten kann. Ein Rhythmus, der langfristig tragfähig ist. Für den eigenen Kopf, den eigenen Körper – und vielleicht auch für den Planeten.
Vielleicht liegt die eigentliche Kunst nicht darin, immer schneller zu werden.
Sondern darin, das richtige Tempo für sich selbst zu finden.
Und manchmal bedeutet das eben auch: einen Gang runterzuschalten.
In diesem Sinne: Get rowing 😉🤙🏼



