Als ich das erste Mal von Kreatin gehört habe, war meine erste Reaktion: Das brauche ich nicht. đ€
Der Körper produziert Kreatin selbst und ĂŒber die regulĂ€re Nahrung – insbesondere Fleisch und Fisch – nimmt man ebenfalls Kreatin auf. Also stellte sich fĂŒr mich die Frage: Warum sollte ich ein Supplement einnehmen, wenn der Körper ohnehin schon ausreichend versorgt ist?
Ich war immer eher skeptisch gegenĂŒber Supplements. Vieles wirkt fĂŒr mich wie ein Marketing-Versprechen, das mehr Hoffnung verkauft als tatsĂ€chlichen Nutzen liefert. Meine Grundhaltung war daher lange: Wenn ErnĂ€hrung, Schlaf und Training stimmen, braucht es den Rest nicht, oder?
Doch manchmal kommt ein Gedanke ins Rollen – und plötzlich ergibt eins das andere.
Wie ich zum Kreatin gekommen bin
Als ich mich mit Michael ĂŒber Longevity und Fitness unterhalten habe, erzĂ€hlte er mir, dass er Kreatin bereits seit vielen Jahren supplementiert.
Das hat mich ehrlich gesagt irritiert.
Michael ist jemand in meinem Alter, der sehr offen an Themen herangeht und gerne auch einmal etwas ausprobiert. Wenn er etwas regelmĂ€Ăig nimmt, dann hat er sich meist schon lĂ€nger damit beschĂ€ftigt. Seine ErklĂ€rung war simpel: Kreatin gehört zu den am besten erforschten Supplements ĂŒberhaupt1https://link.springer.com/article/10.1186/s12970-017-0173-z.
Kurz danach kam dann eine Anfrage in mein Postfach.
Lara von Naked Nutrition schrieb mir und fragte, ob ich Interesse hĂ€tte, ihre Produkte zu testen. Eine Packung zum Ausprobieren – ohne Verpflichtung, einfach als Produkttest.
Also dachte ich mir: Warum eigentlich nicht? đ€·đŒââïžđ
Warum Kreatin ĂŒberhaupt interessant ist
Kreatin ist eines der wenigen Supplements, bei denen sich Wissenschaft und Praxis erstaunlich einig sind.
Im Körper wird Kreatin hauptsĂ€chlich in den Muskeln gespeichert. Dort hilft es bei der schnellen Bereitstellung von Energie – insbesondere bei kurzen, intensiven Belastungen.
Typische Effekte, die in Studien beobachtet wurden:
- höhere Kraftleistung bei intensiven Belastungen
- bessere Regeneration zwischen SĂ€tzen
- leicht erhöhte Muskelmasse durch verbesserte Trainingsleistung
- möglicherweise positive Effekte auf Gehirnfunktion und kognitive LeistungsfÀhigkeit
Gerade der letzte Punkt macht Kreatin fĂŒr viele Menschen im Longevity-Kontext interessant.
Denn Kreatin scheint nicht nur fĂŒr Muskeln relevant zu sein. Auch das Gehirn nutzt Kreatin als Energiespeicher. Einige Studien zeigen Hinweise darauf2https://www.fz-juelich.de/en/news/archive/press-release/2024/creatine-improves-cognitive-performance-during-sleep-deprivation, dass Kreatin bei Schlafmangel, mentaler Belastung oder im Alter eine unterstĂŒtzende Wirkung haben kann.
Das bedeutet nicht, dass Kreatin ein Wundermittel ist – aber es ist ein erstaunlich gut untersuchter Baustein im Energiestoffwechsel des Körpers.
Meine Erfahrung mit Kreatin

Ich bin ein groĂer Fan von Selbstversuchen.
Theorie ist interessant – aber am Ende zĂ€hlt die persönliche Erfahrung. Nur wenn man etwas selbst ausprobiert, kann man herausfinden, ob es fĂŒr einen persönlich funktioniert.
In der Longevity-Szene wird dieses Prinzip hÀufig als N=1-Experiment bezeichnet. Jeder Körper reagiert unterschiedlich. Was bei einer Person wirkt, muss nicht automatisch bei der nÀchsten funktionieren.
Bryan Johnson treibt dieses Prinzip bekanntlich auf die Spitze und misst praktisch jeden Parameter seines Körpers.
Ganz so weit gehe ich nicht.
Aber ich probiere gerne Dinge aus.
Seit einigen Wochen teste ich nun also das weiĂe Pulver.

Am Anfang war ich sehr genau: Ich habe das Kreatin mit einer Waage abgewogen, um wirklich exakt auf die empfohlene Menge zu kommen.
Mittlerweile bin ich entspannter geworden.
Heute landet das Pulver morgens einfach mit dem mitgelieferten Löffel im MĂŒsli.
Geschmacklich ist Kreatin zum GlĂŒck völlig unauffĂ€llig. Es löst sich gut auf und verschwindet im FrĂŒhstĂŒck praktisch komplett. Ich hatte bzgl. Schadstoffen bei Naked Nutrition angefragt und folgende RĂŒckmeldung erhalten
Unser Kreatin wird selbstverstÀndlich unabhÀngig von Drittanbietern auf Reinheit, IdentitÀt und mögliche Kontaminanten getestet. Dazu gehören auch Schwermetallanalysen im Rahmen der QualitÀtskontrolle.
Ich habe das Testergebnis erhalten, das Kreatin von Naked Nutrition enthÀlt laut Test extrem geringe Mengen an Schwermetallen und Gluten, die alle unter den nachweisbaren Grenzwerten liegen.
Kreatin-Ladephase â mehr als frĂŒher empfohlen?
In den letzten Monaten gab es wieder einige Diskussionen rund um das Thema Kreatin-Ladephase.
FrĂŒher wurde oft empfohlen, in den ersten Tagen sehr hohe Mengen Kreatin zu konsumieren3https://health.clevelandclinic.org/creatine-loading-phase – teilweise 20 Gramm pro Tag – um die Speicher im Körper schnell zu fĂŒllen.
Neuere AnsÀtze gehen etwas moderater damit um.
Viele Studien zeigen, dass man auch mit einer konstanten tĂ€glichen Einnahme von etwa 3-5 Gramm Kreatin langfristig die gleichen Speicherwerte erreichen kann – nur eben etwas langsamer.
Ich habe mich zunĂ€chst fĂŒr einen konservativen Ansatz entschieden.
Ăber mehrere Wochen habe ich tĂ€glich 3 Gramm Kreatin eingenommen.
Seit Ende Februar bin ich dann leicht in eine Art âMini-Ladephaseâ ĂŒbergegangen und nehme aktuell etwa 5â6 Gramm pro Tag.
Der Hintergrund ist simpel: Der Körper kann Kreatin nur bis zu einem gewissen Grad speichern. Ziel der Supplementierung ist es also, diese Speicher möglichst gut zu fĂŒllen.
SpĂŒre ich einen Unterschied?
Und jetzt zur ehrlichen Antwort:
Bisher spĂŒre ich noch keinen groĂen Unterschied.
Keine plötzliche Kraftsteigerung. Keine magische Leistungsverbesserung. Kein âWow-Effektâ.
Und ganz ehrlich: Das ĂŒberrascht mich nicht.
Viele Effekte von Kreatin sind eher subtil und langfristig. Sie zeigen sich nicht unbedingt als unmittelbares GefĂŒhl, sondern eher in kleinen Verbesserungen ĂŒber Zeit:
- etwas mehr Leistung im Training
- minimal schnellere Regeneration
- eventuell stabilere Energie bei intensiven Einheiten
Wenn man nicht gezielt Leistungswerte trackt, können diese Effekte leicht untergehen.
Gerade beim Indoor Rudern könnte es interessant sein, meine Wattwerte oder Intervallzeiten ĂŒber lĂ€ngere Zeit zu beobachten. Das werde ich in ein paar Monaten einmal unter die Lupe nehmen – wenn die Packung Kreatin aufgebraucht ist.
Vielleicht zeigt sich dort ein Effekt, den man im Alltag gar nicht so stark wahrnimmt.
Kreatin und Longevity
Ein Grund, warum Kreatin aktuell wieder so viel Aufmerksamkeit bekommt, liegt im Bereich Longevity.
Neben den klassischen Effekten auf Muskelkraft wird zunehmend untersucht, ob Kreatin auch andere Vorteile haben könnte:
- UnterstĂŒtzung der Gehirnenergie
- mögliche neuroprotektive Effekte
- Verbesserung der körperlichen LeistungsfÀhigkeit im Alter
- UnterstĂŒtzung der Muskelmasse (Sarkopenie-PrĂ€vention)
Gerade der Erhalt von Muskelmasse ist ein entscheidender Faktor fĂŒr gesundes Altern.
Muskelkraft gehört zu den stĂ€rksten PrĂ€diktoren fĂŒr LebensqualitĂ€t und funktionelle Gesundheit im Alter.
Wenn Kreatin dabei helfen kann, Training effektiver zu machen, könnte es indirekt einen Beitrag zur langfristigen Gesundheit leisten.
Mein Zwischenfazit
Mein Fazit nach den ersten Wochen ist bewusst nĂŒchtern.
Kreatin ist kein Wundermittel.
Aber es ist eines der am besten erforschten Supplements, das vergleichsweise sicher ist und fĂŒr viele Menschen Vorteile bringen kann. Ob diese Vorteile fĂŒr mich persönlich spĂŒrbar werden, wird sich wahrscheinlich erst ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum zeigen.
Deshalb werde ich das Experiment weiterlaufen lassen.
Vielleicht zeigt sich der Effekt nicht als spektakulĂ€re VerĂ€nderung – sondern als viele kleine Verbesserungen, die sich ĂŒber Monate summieren.
Und manchmal sind genau diese kleinen Dinge am Ende die entscheidenden.
In diesem Sinne: Get rowing đđ€đŒ





2 Antworten auf âMeine Erfahrung mit Kreatinâ
Hallo Ulf,
wie wurde bei Dir der Kreatinin-Mangel festgestellt?
Woher weiĂt Du, in welchen Mengen eine Supplementierung erforderlich ist?
GruĂ Martin
Hallo Martin,
gute Fragen – danke dafĂŒr!
Einen Kreatin-Mangel im medizinischen Sinne habe ich tatsĂ€chlich nicht diagnostiziert bekommen. Meine Einnahme basiert eher auf dem Gedanken der Supplementierung zur Leistungs- und möglicherweise auch Longevity-UnterstĂŒtzung, nicht auf der Behandlung eines Mangels.
Vielleicht kurz zur Einordnung: Kreatin und Kreatinin werden oft verwechselt. Kreatin ist der Stoff, den man supplementiert und der im Muskel als schneller Energiespeicher dient. Kreatinin dagegen ist ein Abbauprodukt von Kreatin und wird im Blut gemessen, meist als Marker fĂŒr die Nierenfunktion.
Die Mengen orientieren sich bei mir an den Empfehlungen aus Studien und aus der Sportwissenschaft. HĂ€ufig werden etwa 3â5 g Kreatin Monohydrat tĂ€glich als Standarddosis genannt. Damit lassen sich die Kreatinspeicher im Muskel ĂŒber einige Wochen gut auffĂŒllen. Eine klassische Ladephase mit höheren Mengen wird teilweise diskutiert, ist aber nicht zwingend notwendig.
Ich sehe das Ganze aktuell eher als Selbstexperiment (N=1) – ich teste, wie mein Körper darauf reagiert und ob sich langfristig VerĂ€nderungen bei Training, Regeneration oder Leistungswerten zeigen.
Beste GrĂŒĂe
Ulf