Den Besuch der Ninja World haben meine Kinder im Adventskalender geschenkt bekommen, statt 24 mal „Tüddelkram“ und „Stehrum“ gab es jeden Tag ein Rätsel mit Puzzlestücken und zum Schluss ein Lösungswort sowie den Besuch der Ninja World. Zeit statt Dinge schenken. Ich bin ein Fan des Ninja Warrior Formats, wenn man auf der Mattscheibe sieht, wie ein Athlet nach dem Nächsten ins Wasser fällt, kommt schnell der Gedanke: Das kann doch nicht so schwer sein, oder? 🤔 Mir haben die Übungen in der Ninja World relativ schnell klar gemacht, dass ich mehr Krafttraining machen sollte – und ja: Die Übungen sind nicht einfach. 😉😮💨
In der Halle habe ich Tim getroffen. Seit ich mich erinnern kann, hat Tim schon immer Krafttraining gemacht. Ihn habe ich vor mindestens 20 Jahre zuletzt gesehen 🤯 Sind es solche Sätze, die einen spüren lassen dass man älter wird? 👴🏻✌🏼
Tim hat mir erzählt, dass seine Tante Anneliese 101 Jahre alt geworden ist – ich habe Sie in sehr guter Erinnerung, eine tolle Persönlichkeit! Bei dem Gedanken über 100 Jahre alt zu werden bin ich kurz hängen geblieben.
Über 100 Jahre alt zu werden ist schon stark und sicherlich hat man dann auch zuvor im Leben einiges richtig gemacht. Wie alt man wird hat man ja nur zu einem bestimmten Faktor in der Hand, der Lebensstil ist sicherlich ausschlaggebend aber auch die Gene. Rauchen, Alkohol, Medikamente? Durch Sport und Fitness kann man versuchen den Körper so gesund und resillient wie möglich zu machen, Muskeln aufbauen, sodass diese im Alter noch größtenteils vorhanden sind. Mein „Zielalter“ war lange Zeit 80 Jahre – meine Überlegung dazu: 80 Jahre ist ein gutes Alter um viele verschiedene Lebensphasen erlebt zu haben. Alles was darüber hinaus geht würde ich als geschenkte Lebenszeit empfinden, schlicht weil die 80 Jahre in meinem Kopf als Anker gesetzt sind. Was aber passiert, wenn man statt der 80 Jahre die 100 als gesetzt sieht? 🤔
Plötzlich verschiebt sich der Maßstab. Entscheidungen fühlen sich anders an, Prioritäten ordnen sich neu. Wenn 100 das neue „Normal“ sind, reicht es nicht mehr, einfach irgendwie gesund zu bleiben. Dann geht es um Nachhaltigkeit – körperlich, mental, sozial.
Mit 100 als Zielalter denkt man nicht mehr in „schnell fit werden“, sondern in langfristig belastbar bleiben. Training bekommt einen anderen Charakter: weniger Ego, mehr Substanz. Beweglichkeit wird genauso wichtig wie Kraft, Schlaf genauso wertvoll wie Intensität. Man fragt sich nicht mehr nur: Wie sehe ich nächsten Sommer aus?
Sondern: Kann ich mich mit 85 noch selbstständig bewegen? Kann ich mit 90 noch Stufen steigen? Habe ich mit 95 noch genug Kraft, um mein Leben selbst zu gestalten?
Auch der Umgang mit Risiko verändert sich. Exzesse wirken plötzlich teurer, Abkürzungen unattraktiv. Nicht aus Angst – sondern aus Respekt vor der Zeit, die noch vor einem liegen könnte. Wer 100 als realistische Option betrachtet, versteht schneller, dass jede Entscheidung eine kleine Zinsrechnung ist: Sie zahlt ein – oder sie kostet später.
Es gibt ein chinesisches Sprichwort:
Die Zeit, die man sich nicht für die Gesundheit nimmt, nimmt sich irgendwann die Krankheit!
Gleichzeitig entsteht etwas Beruhigendes. Wenn man nicht mehr glaubt, alles bis 80 „erleben zu müssen“, entsteht Raum. Raum für Pausen, für Umwege, für Neuanfänge mit 50, 60 oder 70. Lebensphasen werden länger, nicht kürzer. Fehler verlieren an Dramatik, weil noch Zeit bleibt, sie zu korrigieren.
Vielleicht ist genau das der größte Effekt dieses Gedankenspiels:
100 Jahre als Ziel zu setzen heißt nicht, zwanghaft alt werden zu wollen. Es heißt, das eigene Leben so zu führen, dass man die Option dazu offenhält. Fit genug, klar genug, neugierig genug.
Anneliese ist 101 geworden. Ob sie bewusst auf 100 hingelebt hat, weiß ich nicht. Aber allein die Tatsache, dass es möglich ist, reicht schon aus, um den eigenen inneren Anker gedanklich zu verschieben. Was passiert, wenn 80 kein Zielalter mehr ist? Ggf. ist es nur eine „Zwischenstation“. Vielleicht ist genau das die eigentliche Einladung dieses Gedankens: nicht länger in festen Altersgrenzen zu denken, sondern in Qualität von Jahren. Nicht die Zahl entscheidet, sondern die Fähigkeit, das eigene Leben möglichst lange selbstbestimmt zu führen.
Der Besuch in der Ninja World, das zufällige Treffen mit Tim, die Erinnerung an Anneliese – all das war kein großer Moment. Aber einer, der hängen bleibt und fragt: Wie möchte man altern? Und was kann man heute tun, damit der Körper morgen noch mitmacht? Es muss ja kein Mount Midoriyama mehr sein und 100 Jahre müssen nicht das Ziel sein. Aber sie können ein Kompass sein. Einer, der daran erinnert, dass Zeit das Wertvollste ist, was man hat – und dass es sich lohnt, gut mit ihr umzugehen.
Schritt für Schritt. Training für Training. Entscheidung für Entscheidung.
In diesem Sinne: Get rowing 😉🤙🏼



