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Verlässliche Daten von Fitnessgeräten

Kürzlich habe ich ein Rudergerät getestet, welches sich über Bluetooth koppeln lässt. Mich hat insbesondere interessiert wie hoch die Datengüte dabei ist. Das Ergebnis war erstaunlich.

Es gibt Fitness-Influencer wie DCRainmaker, The Quantified Scientist oder DesFit, welche sich Fitnesstracker im Vergleich angucken und die Daten der Connected Fitness auf den Prüfstand stellen. Bei Rudergeräten scheint bisher ein schwarzes Loch zu bestehen bzgl. dieser Inhalte. Vielleicht weil es schlicht nicht so viel Auswahl gibt?

Erst kürzlich kamen 2 Kommentare von Kicki und Mahatma, welche beide die Daten bei Third-Party Apps betreffen. Third-Party Apps lassen je nach Tracking-Methode und Integration verschiedene Datenströme zu. Bei Third Party Apps geht es dann letztendlich auch um eine Vergleichbarkeit, bspw. in Ranglisten und Rennen. Wie also erhält man verlässliche Trainingsdaten beim Rudern?

Wie werden Daten beim Rudergerät gemessen?

Als ich angefangen habe, mich mit dem Thema Rudern zu beschäftigen war einer der ersten Artikel ein etwas reisserischer Text zum Thema Trainingscomputer. Mittlerweile hat sich tatsächlich etwas im Bereich der Ruderergometer verändert, auch wenn die Veränderung nur langsam vorwärts geht. Die neue Art der Trainingscomputer „von der Stange“ sehen so aus:

Trainingscomputer Rudergerät drehbar

Bspw. am Christopeit Rudergerät oder auch am kompakten Domyos Rudergerät zu finden. Ein neues Interface bedeutet nicht unbedingt eine bessere Datenqualität, aber immerhin wird das richtige Protokoll zum Übertragen verwendet.

Ich habe bisher noch keinen Trainingscomputer auseinander genommen, um zu sehen welche Bausteine darin enthalten sind, in der Regel dürfte es sich dabei jedoch um einen Microcontroller handeln und vermutlich auch ein oder zwei Chips für die Funkverbindung um die Herzfrequenz zu erhalten oder das Signal der Ruderdaten über Bluetooth (idealerweise mit FTMS) wieder Preis zu geben.

Relevant für die Datenerfassung ist mindestens ein Sensor. Dieser Sensor kann bspw. die Umdrehungen zählen und dabei einen Impuls an den Microcontroller übertragen. In dem Artikel zum Topiom Rudergerät geht es um den Austausch des Trainingcomputers, hierbei wird ebenfalls die Funktionsweise des Sensors sichtbar:

Alternativ ist auch das Video von Concept2 interessant, hier wird der Sensor bei einem Rudergerät mit Luftwiderstand sichtbar:

Die meisten Rudergeräte nutzen einen Magnetsensor, alternativ einen optischen Sensor. Man zieht am Griff des Rudergeräts, das Schwungrad beginnt sich dadurch zu drehen, der Sensor erkennt die Anzahl der Umdrehungen und der Microcontroller berechnet anschließend aus diesen Sensordaten weitere Werte. Im Concept2 Forum gibt es hierzu eine hervorragende Analyse und hier die physikalischen Grundlagen zur Berechnung. Etwas kompakter ist es beim Openrowing Monitor beschrieben.

Die Berechnung der Werte erfolgt dann auf Basis der Zeit, ggf. einem Drag-Faktor,  wie schnell der nächste Zug erfolgt und im Idealfall anhand von quelloffenen Konstanten. Die Hersteller verweisen auf Richtwerte aus dem Rudersport auf dem Wasser. Concept2 orientiert sich am 4er Boot, Augletics am 8er Boot, – ich habe bisher hierzu jedoch noch keinen Faktor gesehen. Wer die Berechnung genauer nachvollziehen möchte: Hier ist eine quelloffene Ruder-Engine.

Die Berechnung der Daten führt dann auch dazu, dass Ruderer bei Rennen zunächst einen halben Zug machen, um anschließend den vollen Zug durchzuführen.

Im Falle der Smartrow Rolle wird ein Dehnungsmessstreifen verwendet, welcher die tatsächliche Kraft misst und diese erfassten Daten mit weiteren Informationen wie bspw. SPM über Bluetooth an ein Endgerät sendet. Aus meiner Perspektive ist diese Messmethode aktuell die genaueste Möglichkeit Ruderdaten am Rudergerät zu erfassen.

Die Rudergeräte von Biorower nutzen ebenfalls die genaue Messmethode mit Dehnungsmessstreifen, hier bekommt man es sogar je Arm einzeln präsentiert:

Akkumulierte Kraftkurven eines Workouts
Akkumulierte Kraftkurven am Biorower

Der Datenfluss fließt in den Datensee

Früher war die Welt einfach 😉 Zumindest was das Thema Daten anging war es ggf. etwas überschaubarer. Seit IoT und Connected Fitness hinzugekommen sind, werden plötzlich Daten von verschiedenen Bereichen bereitgestellt und fließen im Idealfall im großen Data Lake zusammen.

Strukturierte Daten sind daher relevant, um diese mit anderen Datenpunkten anreichern zu können. Seien es Datum und Zeit oder aber Unique Identifier, welche für ein Matching genutzt werden können. Anschließend beginnt womöglich „die Magie“ und aus zuvor einzelnen Datenströmen wird ein Gesamtbild erkennbar und ggf. auch Ableitungen möglich.

Aber wie so häufig ist die Datenqualität ein Faktor, der nicht ausgeblendet werden darf. Nur wenn man den initial gesammelten Daten tatsächlich vertrauen kann, können im weiteren Verlauf Schlussfolgerungen daraus gezogen werden.

Warum gibt es genaue und ungenaue Daten?

Als ich kürzlich ein Rudergerät getestet habe, habe ich es ebenfalls mit EXR verbunden, auch wenn es offiziell nicht unterstützt wird.

Der Grund, warum dieses Gerät nicht offiziell unterstützt wird, wurde schnell klar: Die Daten, welche übertragen wurden waren mehr oder weniger unnütz. Es wurden zwar Daten übertragen, diese haben jedoch relativ wenig mit dem zu tun gehabt, was ich auf dem Gerät geleistet habe:

Unsupported Rowing Machine
Unsupported Rowing Machine

Hierfür habe ich ein reguläres Steady State Training für 30 Minuten bei einer Schlagzahl von 22 SPM durchgeführt. Normalerweise habe ich dabei einen Durchschnitt von 150 – 170 Watt. Zum Vergleich einmal hier ein reguläres Training:

Concept2 Steady State
Steady State auf Concept2

In dem oberen Diagramm sieht man eine variierende Schlagzahl um die 50 SPM sowie eine Leistung zwischen 10 und 15 Watt. Man kann auf dem Diagramm ebenfalls noch erkennen, dass die Schlagfrequenz und Leistung periodisch auf und ab geht. Ich wüsste gar nicht wie man rudern müsste um so ein Diagramm zu erzeugen, vermutlich ist es unmöglich.

Für mich war nicht klar, wieso diese Daten übertragen wurden, ich kann mir lediglich vorstellen dass es mit Unwissen des Entwicklers und einer mangelnden Qualitätskontrolle zu tun gehabt haben muss.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass man auf dem Rudergerät nicht rudern oder trainieren kann – lediglich der digitale Output ist nutzlos. Wenn man so ein Gerät nutzen möchte empfehle ich eine Smartwatch zu tragen, um die Herzfrequenz zu überwachen und ggf. rudimentäre Daten wie die Schlagfrequenz zu erhalten. Die Garmin Uhr kann das bspw. – den Trainingscomputer kann man dann getrost einfach abschalten.

Manche Rudergeräte nutzen ebenfalls eine Interpolation für die Berechnung der Daten. Das Boot bewegt sich ja auch auf dem Wasser weiter, selbst wenn man aufgehört hat zu rudern. Auch wenn dies dem natürlichen Kraftaufwand ggf. ähnlicher ist, ist es ungenauer als mit Sensoren zu messen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin den Kameramodus bei Kinomap zu nutzen, um Daten zu erzeugen. Beim Kameramodus wird die Kamera des Smartphones oder Tablets genutzt um die Bewegung auf dem Rudergerät zu erkennen. Vor- und Zurück. Dadurch lässt sich ableiten wie schnell die Strokes per Minute sind – was sich jedoch nicht ermitteln lässt ist die Leistung bzw. die Kraft mit welcher gerudert wird. Der Kameramodus ist aus meiner Perspektive daher ähnlich ungenau wie die Sensoren, welche die Anzahl der Umdrehung des Schwungrads messen.

Warum genaue Daten von Heimtrainern relevant sind

Ich bin kein Spitzenathlet und versuche keine Weltrekorde zu erreichen. Wie wichtig sind in diesem Fall also die Daten, welche aus dem Fitnessgerät herauskommen?

Aus meiner Perspektive gibt es 3 Punkte, wieso korrekte Daten eine Relevanz haben:

  • Persönliches Feedback
  • Vergleichbarkeit beim Online Rudern
  • Nachvollziehbarkeit

Wenn ich auf dem Rudergerät rudere und dabei auf einem Bildschirm sehe, wie stark ich gerade rudere, dann hilft es mir meine eigene Leistung einzuschätzen. Es hilft mir das Training richtig zu strukturieren und effizient zu rudern. Ohne richtige Daten ist das nur bedingt möglich.

Sobald es darum geht eine Vergleichbarkeit zu erreichen, benötigt man eine „gemeinsame Wahrheit“. Möchte ich mich mit anderen Ruderern auf der Welt vergleichen, dann hilft es die gleiche Sprache zu sprechen. Wie ist Dein 500m Split auf 2.000m? Wieviel Watt ziehst Du im Durchschnitt? Bei EXR sind die Top3 in den Leaderboards bspw. unverifizierte Geräte, man kann davon ausgehen, dass die Daten schlicht nicht stimmen. Die Geräte in den Bestenlisten, welche valide Daten senden sind Concept2 und RP3.

Ein Logbuch hilft ebenfalls das eigene Training nachzuvollziehen. Gucke ich nach einer Weile darauf zurück, so möchte ich damit eine Nachvollziehbarkeit erreichen. Idealerweise auch mit verschiedenen Trainingsgeräten. Ansonsten gilt: Never change horses in midstream 😉

World Rowing (ehemals FISA) wird wohl im zweiten Quartal 2024 ein Zertifizierungsverfahren für Rudergeräte einführen, bei dem die Hersteller ihre Geräte einreichen, damit World Rowing sie als gültige und zuverlässige Simulatoren anerkennen kann. Ich bin sehr gespannt wie dieses Verfahren aussieht und wie die technische Qualitätssicherung dabei funktioniert. Es zeigt jedoch, dass ein Sport noch einmal attraktiver wird, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Man spricht dann eine gemeinsame Sprache und bietet weltweit Vergleichsmetriken, die sich nicht nur auf einen Hersteller beziehen.

Welches Rudergerät liefert verlässliche Werte?

Ich kann ein Rudergerät nutzen und mich innerhalb der Käseglocke des Herstellers bewegen. Das ist in Ordnung und funktioniert in den meisten Fällen gut. Sobald ich jedoch anfange meine Daten an Third-Party Dienste weiter zu geben, stellt sich die Frage nach der Erhebungsmethode. Welche Rudergeräte eignen sich also für Strava, EXR und Kinomap?

Ich habe bei Strava nachgefragt, ob es eine Liste mit Rudergeräten gibt, die unterstützt werden und habe lediglich einen Verweis auf diese Seite erhalten, welche verschiedene Indoor Apps listet – wobei Smartrow dort bspw. nicht öffentlich gelistet ist. Somit kann ich maßgeblich derzeit nur die Rudergeräte aus dem Rudergeräte Test empfehlen, welche eine Strava-Konnektivität „out of the box“ mitbringen und dabei mehr oder weniger vollständige Ruderdaten an Strava übertragen:

  • Biorower
  • Concept2
  • Waterrower Performance Ergometer
  • RP3
  • Augletics Eight

Wobei Concept2 aus meiner Perspektive damit glänzt die beste Integration mit Strava zur Verfügung zu stellen:

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Bei EXR sieht es anders aus, hier gibt es tatsächlich eine komplette Liste der unterstützen Rudergeräte, mit dabei sind bspw.:

  • First Degree Fitness (FluidRower)
  • Technogym (Skillrow)
  • Bodycraft
  • Xebex, Virtufit
  • Flow Fitness
  • Stil-Fit
  • DC Athletics

Aber was dort ebenfalls bspw. für DC Athletics beschrieben wird:

DC Athletics misst Ihre Leistung mit seinem internen Riemenscheibenantriebssystem. Es ist eine direkte Messung, um Ihre Wattleistung in der Zugphase zu berechnen. Das heißt, je höher Ihre Schlagzahl ist, desto mehr Watt produzieren Sie. Die Rudergeräte können im Vergleich zu anderen Rudergeräten, die auf eine andere Art und Weise berechnen, einschließlich einer interpolierten Zahl für den Rückzug, eine niedrigere Leistung anzeigen. Dies kann zu einem anderen (niedrigeren) Rang auf der EXR-Rangliste führen als bei Ruderern mit anderen Rudergeräten.

EXR versucht also aus dem Zoo der verschiedenen Berechnungs- und Datenerhebungsmethoden etwas möglichst Sinnvolles und Vergleichbares zu erstellen. Das Praktische an EXR: Man kann dort die Daten auch zu Strava synchronisieren.

Kinomap – dazu muss man nicht viel schreiben, es werden so ziemlich alle Rudergeräte mit dem Kameramodus unterstützt. Um gemütlich einem Video zu folgen ist es ausreichend – für Leaderboards eher unvorteilhaft.

Fazit zur Datenverlässlichkeit bei Rudergeräten

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten mit einem Rudergerät zu trainieren. So lange Third-Party Apps nicht relevant sind, funktioniert im Grunde genommen jedes Gerät.

Wenn man jedoch langfristig mit Third-Party Apps trainieren möchte, so empfiehlt sich eine möglichst genaue Datenerhebung um ebenfalls in Rennen, Bestenlisten und im Vergleich mit anderen Ruderern.

„Drum prüfe wer sich bindet“ – wenn man langfristig ein Rudergerät nutzen möchte und dieses auch mit verschiedenen Apps in Kombination nutzen möchte, so lohnt vorab die Recherche zu der Kompatibilität. Ich hoffe mit diesem Artikel etwas dazu beigetragen zu haben.

Ansonsten gilt weiterhin: Keep on rowing!

Artikel veröffentlicht am 5. Februar 2024

Von Ulf

Seit Anfang 2022 habe ich den Rudersport für mich entdeckt. Ich rudere regelmäßig, das Rudern ist Teil meines Alltags geworden und auf diesem Blog beschreibe ich meine gesammelte Erfahrung zu Rudergeräten, virtuellem Training, Fitness Gadgets sowie alles rund um den Sport Indoor-Rudern. Mehr über mich

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